Monat: Januar 2020

Expatleben – Im Schatten des Coronaviruses

27. Blog am 31. Januar 2020

Eigentlich … ja eigentlich wollten ich ein etwas ruhigeres Jahr 2020 haben und mich nicht mit einem Coronavirus herumschlagen. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen in den Chinese New Year Ferien Bangkok und Kho Samui in Ruhe entdecken, danach eine Woche Ferien in Shanghai machen und mit den Jungs und deren Freunden tolle Ausflüge erleben. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich nicht um Schutzmasken und Desinfektionssprays kümmern. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich nicht um das schwache Immunsystem meines Sohnes sorgen und zu Boots in Bangkok rennen und hochdosiert Vitamin C und Zink hamstermässig kaufen.
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich um meine Fotobücher in Shanghai kümmern.
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich nach Chinese New Year mit meiner Mandarin Lehrerin Nadia in die Kunst der chinesischen Schriftzeichen eintauchen. 
Eigentlich … ja eigentlich dachte ich, dass mein Mann in unseren 8 Tagen Urlaub mal ein bisschen zur Ruhe kommt von der vielen Arbeit und mal das Handy und den PC und das IPad zur Seite legt. 

Realität …

Der Status quo ist nun vollkommen anders. Wir sind auf einer tollen Insel in einer wunderschönen Villa und organisieren das Zurückkommen nach Deutschland.  

Kompliziert ist es insofern als daß wir nur Koffer mit Sommersachen dabei haben, was ich Aber nicht total schrecklich finde. Komplizierter ist, dass ich keinerlei Schlüssel und kein deutsches Portmonee dabei habe. Auch der Führerschein ist in Shanghai. Alles ist gut und sicher dort verstaut. 

Wer hätte denn gedacht, dass die Ereignisse um den Coronavirus sich so dermaßen überschlagen, dass wir nicht zurück nach Shanghai fliegen, sondern direkt heim? Ich nicht und mein eher risikoaverser Mann nun wirklich auch nicht. 

Krisenmanagement für 5000 Mitarbeiter und Hilfslieferungen

Ich bin einiges gewohnt und habe durch meine langen Jahre im Ausland meine Belastungsmöglichkeiten ausgetestet, aber das hier ist mal wieder eine neue Dimension. Es geht hier nämlich nicht nur um uns, um meine Gesundheit, die meiner Kinder und die meines Mannes. 

Mein Mann muss sich um die Gesundheit von 5000 Mitarbeitern in China kümmern, daß sie sicher sind dort wo sie sich befinden, daß sie aufgeklärt sind, daß die Produktion weiter geht und daß die Produkte auch ausgeliefert werden. Bei einem Pharmaunternehmen von großer Wichtigkeit, denn es geht um Medikamente und Impfstoffe für Mensch und Tier. So folge ich einer Krisenmanagement Konferenzschaltung nach der anderen. Und wenn das Telefon nicht klingelt, dann sitzt mein Mann am Pc. Ich klage nicht, denn es geht nicht um Umsatz, Profit, Strategie oder Produktlaunches! Es geht um die Mitarbeiter und um die Versorgung der Kunden mit notwendigen Medikamenten. Und es geht um die richtige Kommunikation mit dem Firmensitz. Und es geht um Hilfeleistungen in der betroffenen Region um die Millionenstadt Wuhan herum. Immerhin sind 40 Millionen Chinesen eingeschlossen, kein rein, kein raus, vom Prinzip nur Verkehr von Hilfslieferungen und Ärzten. Spenden in Form von Masken gehen auf den Weg und auch ein Hustensaft sowie Geldspenden sollen schnellstmöglich in der Region ankommen. Alles gilt zu organisieren und immer wieder Unklarheiten zu beseitigen. 

Vorbereitungen für Deutschland 

Ich in meinem eher kleineren Kreis kümmere mich darum, dass die Zwillinge versorgt sind, dass sie bei Laune gehalten werden und ich die Ankunft in Deutschland so unkompliziert wie möglich gestalte. Freunde sind hilfsbereit und so ist der Ersatzautoschlüssel schon gefunden, eine neue EC Karte beantragt und für Sonntag ist unser Kühlschrank gefüllt und die Heizung in unserem Haus im Grünen eingeschaltet. 

Dennoch werden wir uns erstmal von den Freunden fern halten, es besteht eine gewissen Unruhe, ob wir nicht doch vielleicht den Virus in uns haben und er nur noch nicht ausgebrochen ist. Wir werden die 14 Tage Inkubationszeit, die eigentlich nur für Rückkehrer aus der Krisenregion gilt, einhalten und erst in der nächsten Woche Freunde treffen, oder eben Mundschutz tragen.  Wir wollen niemanden verunsichern. Unsicherheit ist schon genug da. 

Schule der Kinder

Ich gehe gedanklich diverse Szenarien durch, was mit den Zwillingen passiert, wenn wir erst einmal nicht mehr nach China fliegen können, weil keine Fluggesellschaft mehr Städte in China anfliegen will und sie nicht dort in die Schule gehen können. Die Lufthansa hat die Flüge von und nach China gestern eingestellt und auch British Airways fliegt vorerst nicht mehr. Natürlich könnten wir über andere Länder zurück fliegen, aber gesichert ist dies nicht, denn auch andere Fluggesellschaften könnten ihren Flugbetrieb vorübergehend einstellen. 

Die Britische Schule in Shanghai wird ab dem 10.2. den Kindern online Aufgaben zuschicken, damit der Schulbetrieb ein wenig weiter geht. Stoff der 8. Klasse ist jetzt weder für mich noch für meinem Mann kritisch – da kann ich helfen und lerne vielleicht dabei noch etwas dazu. Langfristig ist dies aber sicher keine Lösung, denn was mache ich den Rest des Tages mit den Kinder? Wir sind in keinem Fussballclub mehr angemeldet, noch kann ich Musikunterricht mal eben buchen. So werden es lange Tage, an denen ich das Handy der Kinder sicher manchmal verfluchen werde und vielleicht es auch mal für ganz hilfreich sehe, wenn ich Ruhe für anderes haben möchte.

Die Grundfrage, die sich aber für mich und sicher für viele andere Expatfamilien, die mittlerweile in Deutschland mit oder ohne Kinder sind, stellt ist folgende: 

Will ich überhaupt so schnell nach China zurück, wenn die Schule am 18.2. wieder losgehen sollte und die Lage immer noch nicht überschaubar ist? Tue ich das mir und meinen Kindern an?  Was ist dann mit der Schulpflicht? Ob die alte Deutsche Schule die beiden so einfach für eine gewisse Zeit aufnimmt? Wollen das die Jungs? Oder schicke ich sie zur Schule der Geschwister in Schottland, wo sie zumindest die Lerninhalte des Britischen Schulsystems mehr oder weniger unterrichtet bekommen könnten? 

entscheidend: das Bauchgefühl

Unke ich nun zu sehr rum? Ich denke, jeder muss auf sein Bauchgefühl hören, Pflicht und Notwendigkeit abwägen, Konsequenzen und Alternativen. Sicher ist, dass einer meiner Söhne schon immer ein angeschlagenes Immunsystem hat und ich ihn in keinster Weise in irgendeine noch so kleine Gefahr bringen will. Dies ist sicher für alle, ob Mutter oder Frau, ob Vater oder Mann, nachvollziehbar. 

Es geht immer wieder um Safety First und um eine Entscheidung, die nicht nur wir als Eltern für richtig empfinden und unseren Kinder so auch vermitteln, sondern auch um das Wohlbefinden der Großeltern und Geschwister meines Mannes und von mir. Sorge haben um jemanden ist kein guter Begleiter im Leben. 

Es kommt die Zeit, in der wir zurückblicken und hoffentlich sagen können: Schatz, wir haben alles richtig gemacht! Und das wünsche ich allen anderen Expatfamilien auch, die irgendwo in China sind oder in die Heimat geflogen sind.

Bleibt gesund! 

Luise 

P.S.:

Einige Informationsquellen, die ich als seriös erachte und die ich täglich nach Updates aufrufen: 

Frankfurter Allgemeine Zeitung: www.faz.net
Süddeutsche Zeitung www.sueddeutsche.de
Weltgesundheitsorganisation www.who.int
Deutsche Botschaft Peking, China (https://china.diplo.de)

Nützlich und auch erledigt: 
Elektronische Registrierung von Deutschen im Ausland https://elefand.diplo.de

Chinesen feiern ihr Neujahrsfest

26. Blog am 23. Januar 2019

Letzte Woche hatte ich wieder Mandarin Unterricht bei Nadia. Wahrscheinlich hätte ich mit einer anderen, weniger lustigen und fröhlichen Lehrerin schon aufgegeben, Chinesisch zu lernen. Ich müsste fleissig sein und wie in alten Zeiten mit Vokabelkarten da sitzen und ein Wort nach dem anderen in mein Hirn bekommen. Dazu fehlt leider ein bisschen die Motivation und die Lust. Aber dank Nadia mache ich es ein bisschen, doch meine Lernerfolge bleiben vorerst klein. Jedoch ist es keine verschwendete Zeit und auch kein verpulvertes Geld, denn Nadia erzählt mir viel über ihr Land, die Kultur und Bräuche und über das tägliche Leben. Sie hilft mir bei Onlinebestellungen und zeigt mir immer wieder neue APPs, die zum Überleben hier wichtig sind. Bei den APPs komme ich dann sehr schnell an meine Grenzen, denn die wichtigen Shopping APPs sind natürlich mit chinesischen Schriftzeichen. Also merke ich, dass ich das Lernen nicht komplett aufgeben sollte. Nach Chinese New Year beginne ich, die chinesische Schrift zu lernen. Bisher lerne ich Chinesisch mit dem PinYin Schriftbild, die offizielle Romanisierung des Hochchinesisch. Ich bekomme dann ein Malbuch und kann stundenlang die Schriftzeichen nachmalen und lernen. Ein bisschen wie in der ersten Klasse, wo ich die ersten Buchstaben in Schreibschrift Zeile um Zeile nachmalen sollte und das alles ganz schön anstrengend war.

Shanghai ist in diesen Tagen schon leergefegt, die meisten Märkte haben schon geschlossen und auch die Onlineportale können nichts mehr ausliefern, denn alle Boten sind schon in Ferienstimmung und arbeiten nicht mehr. Die heiligste Woche in China beginnt. 1,4 Milliarden Chinesen werden am Freitag das chinesische Neujahrsfest starten lassen. Das ist ähnlich wie bei uns der heiligen Abend. Die Familien treffen sich und alle feiern zusammen. Am 25. Januar beginnt dann für die Chinesen das Neujahr. Dieser Tag des Neujahrsfestes ändert sich immer wieder, da er nach dem Mondkalender berechnet wird und nicht wie bei uns der Neujahr immer am 1.1. eines Jahres ist. In 2021 ist das Neujahrsfest beispielsweise am 12. Februar.

Der chinesische Zodiac

Der chinesischen Mondkalender bewegt sich in einem zwölf Jahres Rythmus, Mittelpunkt ist ein Zodiac, ein Tierkreiszeichen, das 12 unterschiedliche Tier beinhaltet. Es sind: Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und Schwein. Jedem Jahr ist einen Tier aus dem Tierkreiszeichen zugeordnet, alle 12 Jahre beginnt der Zyklus von neuem. In diesem Jahr endet der Zyklus mit dem Schwein und ein neuer Zyklus mit dem Jahr der Ratte beginnt. Die Ratte wird in China auch gerne als Maus dargestellt, so dass es immer wieder zu Konfusionen kommt. Ich spreche hier mal weiter über die Maus, denn auf den Plakaten,Grußkarten und auf den unzähligen Dekorationen ähnelt das Tier mehr einer Maus als einer Ratte.

Was beginnt im Jahr 2020?

Das neue Jahr wird für die Chinesen das Jahr der Maus. Überliefert ist, dass die Maus viel Weisheit besitzt, geistetesgegenwärtig, einfallsreich und vielseitig ist. Überliefert ist auch, dass die weibliche Maus hübsch, klug, liebenswürdig ist und einen schnellen Verstand gepaart mit begabten Händen hat.

Ich rechne nun einmal …. wenn 2020 das Jahr der Maus ist, so waren es auch die Jahre 2008, 1996, 1984 und natürlich auch das Jahr 1972. Ich bin ein 72er Kind und einige der oben aufgeführten Attribute stimmen durchaus mit meinem Charakter überein, andere weniger. Wer mich persönlich kennt, der darf sich jetzt einmal Gedanken über mich machen, die anderen glauben einfach alles was da steht! Danke schon einmal!

2020 ist mein Jahr!

Meine Lehrerin Nadia hat nun voller Begeisterung mit mir herausgefunden, dass das kommenden Jahr „mein“ Jahr ist. Dazu gibt es nun Einiges für mich zu beachten. Die Tradition sagt, dass ich mich am Neujahrstag komplett in Rot kleiden sollte, von der Unterwäsche bis zur Mütze. Dies soll den Mitmenschen zeigen, dass das Jahr der Maus mein Jahr ist. Besonders die rote Unterwäsche sollte vom Ehepartner oder zumindest von jemandem aus der Familie gekauft werden. Der gute Wille war da, die Realisierung gescheitert, obwohl wir uns viel Mühe gegeben haben. Da wir auf Reisen sind, werde ich im Geiste mich rot kleiden und mir bewusst machen, dass nun mein Jahr beginnt.

Traditionen

Es gibt viel Traditionen die um den Neujahrstag gelten. Nach altem Brauch, soll man Türen und Fenster öffen, damit das Glück ins Haus kommt kann. Währenddessen sollte ein Licht brennen, damit das Glück auch den Weg zu Dir finden und damit die bösen Geister vom hellen Licht abgeschreckt werden und sich Dir nicht nähern. Außerdem sollte die gute Hausfrau den Boden am Neujahrstag nicht kehren, damit sie das Glück nicht wieder aus dem Haus pfegt. Und es soll süsses Essen geben, um das neue Jahr zu süßen. Auch sollen neue Hausschuhe im alten Jahr gekauft werden, um diese dann am Neujahrstag zu tragen, damit altes Gerede und Gerüchte unter den alten Schuhen kleben bleiben und du unbeschwert ins neue Jahr laufen kannst.
Wie auch in Deutschland wird zum Neujahrsfest die Wohnung geschmückt. Da sind rote Lampions, wie wir sie aus den Chinarestaurants in Deutschland kennen. Es werden rote Papierbänder aufgehängt, auf denen mit schwarzer Schrift allerlei gute Wünsche draufgemalt werden. Diese werden dann um einen Türrahmen gehangen. Dabei ist die Farbe Rot das Wichtigste. Rot steht für Glück, Freude und Wohlstand.
Jede Region und jede Familie hat so ihre Traditionen, jedoch ist das Zusammensein in der Familie am Abend vor dem Neujahr sehr wichtig. Geschenke werden wenig überreicht, dafür rote Umschläge mit goldenen Schriftzeichen, sogenannte hóngbāo, die auch wieder gute Wünsche beinhalten wie Glück, Freude und Wohlstand. Im Umschlag ist Geld. Die Beträge sind meist beträchtlich.
Auch der Neujahrstag ist heilig und so werden die Verwandten und engen Freunde besucht und weitere rote Umschläge verteilt.

Grußformeln

Viele Chinesen hier in Shanghai wünschen uns mit „Happy Chinese New Year“ alles Gute. Die eigentliche Grußformel lautet allerdings auf Mandarin: xīn nián kuàilè. Das ist übersetzt „Frohes und glückliches neues Jahr“. Aber auch gōnghè xīnxi, übersetzt „Glückwunsch für neues Glück und Segen im neuen Jahr“ hören wir viel. Im Büro hört mein Mann auch gōngxi fācái, das mit „Glückwunsch für Erfolg und Wohlstand“ übersetzt wird. All dies sagen sie aus tiefster Seele und Überzeugung.

Feuerwerk

Leider ist das Zünden von Feuerwerk von höchster Stelle in den meisten Städten untersagt. Das ist für die Chinesen, die das Feuerwerkeln erfunden haben, ein herber Schlag. Aber jeder wird sich daran halten, denn ein Verstoß könnte wahrscheinlich eine ordentliche Strafe nach sich ziehen.

xīn nián kuàilè

Versucht es einmal auszusprechen und euch zu merken und auch morgen noch zu wissen. Dann seid ihr gut! Ich verlasse nun erstmal für eine Woche mit der Familie das Land des Smogs und des Coronaviruses, entdecke eine neue Großstadt in Asien und teste ein wunderschönes Hotel am Meer.

Luise

China Buch Blog – MAGNUM CHINA – Ein Vergnügen

4. China Buch Blog am 17. Januar 2020


MAGNUM CHINA


von
Herausgeber: Colin Pantall & Zheng Ziyu
Texte: Jonathan Tenby

Colin Pantall lebt als Autor, Dozent und Fotograf in England. Er schreibt und fotografiert für zahlreiche Publikationen zu Fotografie, Umwelt und Kunst.
Zheng Ziyu lebt in China und ist Fotoredakteur, Kurator und Kulturwissenschaftler.
Jonathan Fanby lebt in England und gilt als Schriftsteller und Journalist zu den großen Kennern der chinesischen Geschichte.


Ein Traum für mich als Fotografin und China Expat

Dieses Buch vereint genau das was, ich gerne tue. Ich schaue mir unglaublich gute Fotos von großen Fotografen an, lese dabei über die Fotografen und erfahre detailliert über die Geschichte Chinas von 1938 bis heute. Ich analysiere die Fotos und überlege, warum sie so gut sind. Ich bin beeindruckt von den Erzählungen der Fotografen und tauche immer mehr ein in die jüngere Geschichte des Landes.

Agentur Magnum

Das Wort Magnum kommt aus dem Lateinischen und jeder weiß, dass es etwas „Großes“ ist. Ein jeder könnte meinen, dass das Buch also vom Großen China handelt, aber da liegt jeder einzelne falsch. Magnum ist der Name einer der bekanntesten Agenturen für Fotografen. Nur ein ausgewählter Kreis an Fotografen darf sich Magnum Fotograf nennen. Diese Agentur ist 1947 bei einer Flasche Magnum Champagner von 4 Fotografen in New York mit der Idee gegründet worden, die Fotorechte der Fotografen vor Magazinen und Zeitungen besser vertreten zu können. Zwei der Gründungsmitglieder sind die äusserst erfolgreichen und bis heute bekannten Fotografen Robert Capa und Henri Cartier-Bresson. Beide waren auch in China und in diesem Bildband sind Fotos von ihnen aus den Jahren 1938 bis 1958 zu sehen. Mitglieder aus aller Welt gibt es bis heute 97, aktiv sind ungefähr 60. Drei deutsche dürfen sich Magnum Fotografen nennen, darunter Thomas Hoepker, der Präsident der Agentur von 2003 bis 2007 war. Die anderen beiden sind Thomas Dvorak und Herbert List, der 1975 verstarb. Nur ein Chinesischer Fotograf ist Mitglied, der Beijing Lu Nan. Der Bildband zeigt Fotos von ihm. Weibliche Mitglieder gaben bisher leider nur sehr wenige.

Das Buch: Fotografie und Chinesische Geschichte in 4 Kapiteln

Die Zeitreise beginnt im Jahr 1938 und endet in der heutigen Zeit. Diese Zeitschiene ist in 4 Kapiteln aufgeteilt. Jedes Kapitel gibt sehr übersichtlich die Hauptereignisse mit Jahreszahlen wieder gefolgt von ausführlichen Beschreibungen zu den Ereignissen. Im Anschluss werden Fotografien aus dieser Zeit gezeigt. Die Magnumfotografen berichten über die Hintergründe zu den Reisen und teilweise über die Entstehung der Fotografien. Ich bin wirklich total begeistert.

Das erste Kapitel zeigt die Jahre 1938 bis 1949. Hier finden sich Fotos von Robert Capa und Henri Cartier-Bresson. In einer kurzen Chronologie der Jahre erfahren wir Geschichtliches. Das Wichtigste ist 1949 die Gründung der Volksrepublik China.

Chronologie der Ereignisse 1938 bis 1948

Das zweite Kapitel zeigt die Jahre 1950 – 1976, in denen China mit der Kulturrevolution unter Mao gelitten hat. Fünf Fotografen zeigen, was sie unter teils schwierigsten Bedingungen vor ihre Kamera bekommen haben.

China in den Jahren 1977 bis 1992 ist die Post Mao Zeit. Unter Deng beginnt eine Öffnung zum Westen und ein Wirtschaftsboom. Diplomatische Beziehungen wachsen, die Ein-Kind-Politik startet und Studenten melden sich 1989 immer mehr zu Wort. Fünf Fotografen zeigen ihre Werke von vielen Reisen nach China.

Inge Morath 1978, Peking.

Das vierte Kapitel und damit aktuellste zeigt die Jahre 1993 bis heute. Hongkong und Macao gehen zurück an China, China tritt der WHO bei und 2008 finden die olympischen Sommerspiele in Peking statt. 2013 wird Xi Jinping Staatspräsident. Die Ein-Kind-Politik wird abgeschafft. Die High-Tech Industrie floriert.

Martin Parr, 1997, American Dream Park, Shanghai

Chris Steele-Perkins, 2015, Provinz Yunnan

Das Buch gefällt mir wirklich besonders gut. Für mich ist es eine tolle Balance zwischen gelebter und erzählter Fotografie und den geschichtlichen Fakten über China von 1938 bis heute. Vieles habe ich neu gelernt, vieles kann ich besser einordnen und viele Fakten muss ich nochmal genauer nachlesen.

Mein Resumé

Ich kann diesen Bildband nur wärmstens empfehlen für alle Geschichtsbegeisterten, Fotobegeisterten, China Fans, China Reisenden und für alle, die einfach schöne Bildbände zu Hausen haben möchten. Und für alle, die noch nicht wissen, dass sie China Fans sind.

Chinese New Year rückt immer näher, so kommt schon bald der nächste Artikel!

Luise

Marc Riboud, 1993, Peking

DATEN ZUM BUCH:
SCHRIMER / MOSER VERLAG
ISBN: 9783829608503
PREIS: 49,80€

Das Umzugsjahr ist rum – BE ALWAYS HAPPY!

25. Blog am 9. Januar 2019

Liebe Shanghai-Calling Blog Fans und alle anderen, die es werden wollen!

Ein wellenreiches Jahr ist hinter mir und ich habe lange nicht mehr so viel über mich und über das Leben und über Freundschaft und über Heimat gelernt.

Ich hoffe sehr, daß ihr alle gut ins neue Jahr gekommen seid und mit Elan an das neue Jahr herangeht – ob mit oder ohne gute Vorsätze, ob mit oder ohne Änderungswünschen, ob mit oder ohne Hüftspeck nach den Feiertagen oder einfach gut erholt und mit vielen guten Gedanken.

Weihnachtspost

Auch aus Shanghai habe ich meine Tradition fortgeführt und für Familie, Freunde und Bekannte eine Weihnachtskarte gestaltet. Ds Titelbild des Blogs zeigt in abgeänderter Form das Weihnachtsfoto. Anders war, dass ich zum ersten mal einen Text gedruckt habe und wir damit vermeidet haben, unzählige Male das gleiche zu schreiben, da ja alle wissen möchten, wie es uns geht.

Der Text war folgender:

Shanghai ist seit 6 Monaten unser zu Hause. Heimat ist Deutschland und wird es immer bleiben. China ist wirklich riesig und Shanghai eine pulsierende, vielfältige Weltstadt. Wir sind eingetaucht in das Shanghaier Leben mit den unzähligen kleinen, lokalen Geschäften und den schillernden Luxusgeschäften, mit emsigen, einfachen Händlern und großen Limousinen, Luxus und spartanischem leben. Wir sind mitten drin und staunen über die Bandbreite der Lebenswege. Wir lernen die Welt neu kennen, erweitern täglich unseren Horizont, lernen eine neue Sprache und versuchen die Kultur zu ergründen. Wir tauchen ein in die Sitten, gebräuche und Gepflogenheiten Whinas. Wir sind im Alltag endlich angekommen und doch ist kein Tag wie der letzte. Die großen und kleinen Geschwister vermissen sich gegenseitig und wir natürlich die Großen, die sehr selbständig ihren weg in Schottland gehen. Große Bewunderung. Den Zwillingen gefällt die Britische Schule und sie sind wieder fröhliche Schüler. Freunde sind gefunden und die Nachmittage mit vielen Aktivitäten gefüllt. Happy kids – happy parents. Wir vermissen die Heimat und doch würden wir den Sprung nach China immer wieder machen. Wir vermissen die Freunde und wissen, dass wir sie alle früher oder später wiedersehen. China feiert kein Weihnachten, der Kommerz drum rum jedoch allgegenwärtig. Weihnachten anders. So feiern wir in Tansania den heiligen Abend, um das turbulente Jahr auch komplett anders zu beenden. 

Auf ganz unterschiedliche Passagen sind die Empfänger eingegangen, das war schön. Alle gemeinsam zeigen sie Bewunderung für das was wir als Familie tun. Dafür bin ich unendlich dankbar und das gibt Kraft. Geäusserte Bewunderung trifft der Mensch ja nicht so häufig an, da die meisten sich doch in ihrem Hamsterrad bewegen und die Zeit für solch vermeintlich Banales oftmals fehlt. Schade, oder nicht?

Ich blicke in ein neues Jahrzehnt. Das letzte war geprägt von 5 Jahren Ausland und vier Geburten unsere Kinder, von Elternglück und Erziehung, von Kindergarten und Schule, von beruflicher Veränderung und Selbständigkeit und von wenig Selbstbestimmung. Letztere habe ich gerne abgegeben habe.
Das Neue Jahrzehnt wird definitiv anders sein und ich freue mich auf mehr Selbstbestimmung, da die intensive Kinderbetreuung ein Ende hat. Meine berufliche Selbständigkeit ruht in Shanghai, jedoch sind die Wege so vielfältig, dass sie nur zu ergründen sind und Neues zu planen oder in anderer Form weiter zu führen. Meine Leidenschaft der Fotografie werde ich wieder einen höheren Stellenwert zuordnen und sicherlich mehr Zeit zum Schreiben finden. Und dies alles im Rahmen vom Expatdasein in einem anderen Land und einer anderen Kultur.

BE ALWAYS HAPPY

Auf unserer Tansania Reise über Weihnachten habe ich eine Hotelmanagerin kennengelernt. Sie hat mich mit ihrer Freundlichkeit und mit ihrer Art beeindruckt. Beim Abschied nach nur einer Nacht in ihrem Paradies gab sie mir mit auf den Weg: „Mrs. Gutsche, don´t forget: Be always happy!“ Dies hat sie aus tiefster Seele mit einer unglaublichen Überzeugung gesagt. Ich werde diesen Moment wohl erstmal nicht vergessen! Dieses Motto nehmen ich nun für das neue Jahrzehnt mit. Habt ihr auch ein Motto? Dann lasst es mich wissen.

Shanghai ruft – China ruft

Shanghai-calling – meine Liste für die ersten kulturellen Walks stehen auf meiner Liste und Shanghai rüstet sich für Chinese New Year, das am 24. Januar gefeiert wird. Das neue Jahr nach dem Mondkalender beginnt für die Chinesen am 25.Januar. Danach wird eine Woche gefeiert und 1,4 Milliarden Chinesen reisen durch ihr Land. Es beginnt das Jahr der Ratte. Mehr dazu in einem nächsten Blog.

Lasst es Euch gut gehen und … Don´t forget: Be always happy!

Luise


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