Alles ist anders

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32. Blog am 9. November 2020

10 Monate bin ich nun nicht mehr in Shanghai. Ich habe das Leben dort plötzlich verlassen mit dem Gedanken bald wieder dort zu sein. Wir hatten uns das Jahr anders vorgestellt. Ich wollte nur kurz vor Corona in China fliehen und wenn sich alles beruhigt wieder zurück in unser Expatleben in China. Zurück in unsere Expatstadt – Shanghai. Zurück mit den Kindern in die britische Schule. Zurück zu meiner Chinesischlehrerin. Zurück in eine pulsierende Stadt. Zurück in ein Land, dass ich mit meinem Mann entdecken wollte. Zurück nach Asien, das ich nur wenig kenne. Die Reiselust war da und viele Pläne waren bereits geschmiedet.

Alles ist anders

Ich bin nun immer noch in Deutschland, mein Mann im fernen Shanghai und meine beiden jüngeren Kinder auf einer anderen Schule in Europa bei ihren Geschwistern. 18 Jahre war ich nun Schulmutter und mitreisende Expatehefrau. Zur Zeit bin ich keine mitreisende Expatehefrau und werde wohl keine Schulmutter mehr werden. Keine Schulbrote mehr machen und keine Vokabeln mehr abfragen und keine Schulbücher im Buchladen mehr bestellen. Diese Zeit ist rum. Das ist nicht so leicht zu akzeptieren. Aber Corona hat das Leben auf den Kopf gestellt. Alle müssen sich an die neue Situation gewöhnen und das Beste draus machen. Unsere Kinder profitieren von unserer Erziehung – Selbständigkeit muss erlernt werden.

Mein Mann wuppt das Arbeitsleben in China allein ohne Familie. Mal geht er seinem Arbeitsleben ohne Murren und mit viel Elan und Erfolg nach. Mal vermisst er die Familie und das schöne Beisammensein und das gemeinsame Leben im Ausland. Mal muss er mich unterstützen, mal muss ich ihm gut zureden. Es ist ein Nehmen und Geben. Das Miteinander, auch wenn 9000 km dazwischen sind, bekommt eine ganz neue Bedeutung. Höhen und Tiefen aus der Ferne erkennen und darauf reagieren. Eine Gratwanderung.

Einige Expatfamilien betreue ich. Mütter haben mich kontaktiert, da sie meinen Blog entdeckt haben. Sie haben Frage. Grundsätzliche Fragen ob eine Entsendung jetzt nach Shanghai Sinn macht. Sie haben praktische Fragen. Sie haben Bedürfnis einfach mal mit jemandem zu telefonieren, der schon in Shanghai lebt oder der schon Auslandserfahrung hatt Ich teile gerne mein Wissen und meine Gedanken und hoffe, immer ein bisschen geholfen zu haben. Ich stelle Verbindungen her zu anderen Schulmüttern, eben solche Verbindungen, die eine Relocation Agentur nicht so unbedingt hat und die eine deutsche Personalbateilung nicht aufgebaut hat. Es tut gut, wenn ich helfen kann.

Fernweh

Das Fernweh packt mich hier im Hunsrück. Ich habe entschieden, die Stellung hier in Deutschland bis zum Ende des Jahres zu halten, denn wir wissen alle nicht so genau, was uns die Pandemie plötzlich noch so alles beschert. Nah bei den Kinder zu sein steht deutlich vor einer Rückkehr nach Shanghai. So tickt das Mutterherz und die Sorge, dass es ihnen gut geht ist von hier aus gefühlt weniger intensiv als aus einer Entfernung von 9000 Kilometern. Rational nicht klar. Aber was ist schon rational in dieser Zeit.

Um der Lage mal zu entfliehen und den Gedanken Ruhe zu geben, habe ich mir ein 1000 Teile Puzzle gekauft. Eine herrliche Entspannung und ein herrliches Eintauchen in das Suchen nach dem einen kleinen Puzzlestück. Ich hätte auch die Asterix und Obelix Puzzle der Kinder nehmen können, aber dieses hat mich begeistert. Ich bin mit dem Puzzle nämlich auf Reise gegangen. Es sind 48 unterschiedliche Sehenswürdigkeiten in der Welt verstreut. Einige sind Weltkulturerbe, einige von Stararchitekten gebaut, einige verfallen. Viele von ihnen habe ich bereist. Viele habe ich schändlicherweise noch nie life gesehen. Viele werde ich sicherlich nie bereisen, weil es schlicht weg zu gefährlich ist, dorthin zu fahren. Einige kannte ich nicht und ich habe recherchiert. Es ist doch erstaunlich, was die Suchmaschinen mit 3 Stichwörtern so alles ausspucken. Und zum Glück habe ich einen schlauen Mann, der plötzlich Gefallen daran findet, mal über anderes als Job und Corona nachzudenken in seiner Quarantäne in Shanghai.

Ich grübel schon darüber, was ich von den vielen Sehenswürdigkeiten so schnell wie möglich bereisen möchte, wenn der ganze Coronaspuk endlich vorbei ist. Ist es die Oper von Sydney? Ist es der Merlion in Singapur? Ist es der Mount Rushmore in den USA? Ist es die Hagia Sofia in Istanbul? Sind es die Pyramiden von Gizeh? Oder will ich mit meiner Familie einfach nach New York und die Freihheitsstatue von der Staten Island Ferry aus bestaunen? JA, nach Freiheit ist es mir und nach einer großen Reise mit meiner Familie. Eine Reise mit meinen vier tollen Kindern, die durch Corona ein noch engeres und verlässlicheres Team geworden sind als sie vorher eh schon waren. Eine Reise mit meinem Mann, der die Familie mit aller Kraft unterstützt wo es notwendig ist – aus der Ferne, aus unserer eigentlichen Heimat, aus Shanghai.

Ich wünsche Dir als Leser, Dir als Leserin, dass Du auch auf Reise gehst mit einem kleinen Koffer in der Hand und der Lust, Neues zu entdecken. Mach einfach mal die Tür zu und lass das Jetzt zu Hause!

Tut gut!

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