Chinesisch lernen oder lieber einen Chinabildband genießen?

Mein zehnter Blog am 6. Dezember 2018

Gedacht habe ich immer, dass ich irgendwie einen recht guten Draht zu Sprachen habe. In der Schule habe ich Englisch, Latein und Französisch gelernt und für unsere Expatzeit in Italien büffelte ich Italienisch. Für die Expatzeit in Mexiko habe ich auch noch Spanisch gelernt. Das hat alles ganz gut geklappt. In Latein habe ich sogar das große Latinum, auch wenn meine Nachhilfelehrerin Frau Jäger immer wieder an mir verzweifelte – es war aber reine Faulheit, ich gebe es zu! 

Vor zwei Wochen habe ich mich nun an das Lernen einer weiteren Sprache gewagt – Chinesisch. Zheng kommt jetzt jeden Freitag zu mir. Es ging in der ersten Stunde um so einfache Dinge wie „“Das ist ein Stift.“ – “Was ist das?“ – “Das ist ein Buch.“ – “Ist das ein Buch?“. Da keines dieser Chinesischen Worte irgendetwas mit den Sprachen zu tun hat, die ich bereits spreche und ich nichts ableiten kann, ist es furchtbar. Einfach furchtbar. Und auch die zweite Stunde war nicht besser!  Ich höre die Worte, höre neue Worte, konzentriere mich auf das richtige Aussprechen, will dann das erste Wort wieder sprechen … und es ist weg! Ja! Vergessen! Und das ging 90 Minuten so. Volle Konzentration. Jetzt kann ich vielleicht 3 Sätze, 5 Wörter. Und die Zahlen 1-10 kann ich aussprechen, auch nicht einfach! Ich versuche es mir zu merken, wiederhole, damit es dann später wieder weg ist. Liegt es am Alter? Hoffentlich nicht! Liegt es daran, dass ich mich lange nicht mehr an irgendwas komplett Neues mit einem Lehrer gewagt habe und meine Auffassungsgabe verlangsamt ist? Könnte sein, aber so pessimistisch bin ich nicht! Ich komme zu dem Schluss, dass es nur an der Sprache liegt und ich mich ab jetzt demütig der Sprache zeige, weil diese Laute und diese Wörter einfach absolut anders sind. Zhe shi shenme? Ich denke, daß dieser Satz erstmal gut ist zu kennen. Es heisst: Was ist das? Wann ich dann die Antwort von einem Chinesen darauf verstehe, hmm, keine Ahnung! 

In meiner Lieblingsbuchhandlung Wagner in Ingelheim habe ich ein wunderschönes Buch entdeckt, mir war klar, das es auf mich nur gewartet hat. Ich dachte erst, na ja, mal eben 50 € für ein Buch ausgeben, nein, das mache ich jetzt mal nicht. Ich sage es meinem lieben Mann, der ist immer über konkrete Wünsche vor Weihnachten dankbar. Das Buch hat mir aber keine Ruhe gegeben und Weihnachten ist noch lange hin. Ok, ich bin dann abends, kurz vor Ladenschluß hin, habe sogar noch ein herrliches Schwätzchen mit der Inhaberin geführt und bin überglücklich mit dem Buch heim. Das letzte Wochenende habe ich in meinem gemütlichen Ohrensessel lange Zeit verbracht und habe einfach nur genossen! Ok, was ist das für ein Buch, worüber sich jemand so diebisch freut? Es ist ein Bildband der berühmten Magnum Fotoagentur aus New York über China. Es heisst auch einfach nur: Magnum China. Es beschreibt 4 Etappen der Chinesischen Geschichte mit Fotos, die von den Mitgliedern dieser Magnum Fotoagentur gemacht wurden. Die Themen sind:  Zeit um den zweiten Weltkrieg, Mao Zedong, Deng Xiaping, Supermacht.
Es sind Fotos zu entdecken von Robert Capa, dem Mitgründer dieser Agentur, von Henri Cartier-Bresson, von Bruno Barbey, von Martin PArr, vom deutschen Fotografen Werner Bischof und vielen mehr. Es war mehrheitlich eine Zeit, wo es keine digitalen Medien gab, keine digitalen Spiegelreflexkameras und keine Handyfotografie. Mit Filmrollen ausgestattet über unbefestigte Wege. Ich würde fast sagen, es waren große Abenteuerer. Ein Geschichtsbuch mit unglaublich tollen Fotografien, fast alle in schwarz-weiß. Das lädt einfach ein, seine eigene Kamera zu schnappen und los Zu ziehen. 

Leidenschaften müssen gelebt werden und meine Leidenschaft ist die Fotografie. Ich schaue gerne ab und überlege mir, warum dieses Foto so berühmt ist. Es ist gerade bei Schwarzweiß Fotografien das Licht und die Perspektive und oftmals der Moment, den ein guter Fotograf voraussieht und im rechten Moment auf den Auslöser drückt. Alle Fotografen hielten sich über einen langen Zeitraum in China auf, versuchten Stimmungen im Land zu erkunden, immer auch im Kontext der politischen Phasen. Mein Appetit darauf, in China das heutige Leben aus meinem Augenwinkel zu sehen und auch im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken – das hat dieses Buch an einem Wochenende geschafft und ich bin heil froh, dass ich nicht bis zum heiligen Abend gewartet habe! 

Meine Kinder blättern auch im Buch und fragen, ob es dies oder jenes so noch gibt. Hmm, das ein oder andere bestimmt … wir werden es herausfinden, vielleicht nicht alles, weil das Land so unendlich groß ist und es so unendlich viel zu entdecken gibt. 

Entdeckt habe ich auch, dass es IKEA China gibt. Bei der Globalisierung ist China auch vorne mit dabei. BILLY und RIBBA, ECKTORP und MAMMUT gibt es alles auch dort. Die Internetseite ist wie unsere, ein Orientrieren ist nicht notwendig und ein Umstellen auf Englisch ist kein Problem. Genial! Da wir entschieden haben, unser Hab und Gut in Deutschland zu lassen und wir auch nicht in Mietmöbeln unbedingt ausschliesslich leben möchten, habe ich ganz entspannt in den letzten Tagen auf Ikea(.)cn einen Hausstand bestellt. Da in China alles online bestellbar ist, habe ich eine ´wish list´ an Cathy, die Assistentin meines Mannes, geschickt und sie bestellt das nun alles von Klobürste über Bett und Sessel, Kerzen, Töpfe und Salatschleuder, Handtücher und Knäckebrot. Ist das nicht der Wahnsinn? 

So wird dann alles am 15.12. in unsere neue Wohnung geliefert, an die Wohnungstür im 36. Stock! Und da Cathy und Neo, unser Fahrer, bemüht sind, dass der Chef und seine Frau happy sind, werden sie sicher alles auspacken und alles montieren. 
Eine weitere ´wish list´ schicke ich Cathy dann im Juli bevor ich dann endgütig mit den Kindern komme, dann kommen nochmal Betten , Stühle Schreibtische dazu und alles, was sie sonst noch so brauchen. 
Das einzige, was es nicht gibt – Bettdecken in 155 x 220 cm. So große Bettdecken brauchen die Chinesen nicht, daher werden sie auch nicht verkauft. Nicht schlimm – kommt dann in den Koffer, wenn dann für meinen Mann am 7.1. erstmal allein das Abenteuer China beginnt. 

Jetzt geniessen wir die restliche gemeinsame Zeit hier in klein Ingelheim und erleben das ein oder andere nochmal intensiver oder bewusster. Super schön. Und bald kommt der große Sohn aus Schottland, dann haben wir 2 Woche Familie pur. Was ´ne Vorfreude! 

1 Comment

  1. Liebe Luise,
    Ich kann sehr gut verstehen, warum Du Dich für den Bildband entschieden hast. 2013 bin ich 23 Tage durch China gereist: von Peking in einem weiten Bogen bis Shanghai. Immer wieder habe ich versucht, mir auch nur die Ortsnamen der Reiseroute einzuprägen, aber es war schwierig. Unsere Reiseleiterin hat uns anhand von zwei Buchstaben „ma“ versucht, die chinesische Intonation näher zu bringen: zwei Buchstaben unterschiedlich betont ergeben vier Bedeutungen.

    Wie „begrenzt“ die romanischen Sprachen im Vergleich doch sind- trotz all ihrer Regeln mit Ausnahmen….

    Ich lese immer wieder mal in Deinem Blog & hoffe, Du wirst China als Bereicherung erleben und dort gute Erfahrungen sammeln.

    Gleichwohl für Dich ersteinmal eine glückliche Zeit mit Deiner Familie über die Weihnachtsfeiertage.
    Herzliche Grüße aus dem Harz von
    Alexandra

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