Die Fernehe ist die Schlimmste aller Ehetypen

16. Blog am 7.3.2019

In meinem letzten Blogbeitrag mit dem Titel „Mit der Ehe musst du als Expatehepaar vorsichtig umgehen“ habe ich  4 Typen von Ehen vorgestellt. Darin haben ich gesagt, dass eine Fernehe für mich überhaupt nicht in Frage kommt. Und dabei bleibe ich auch. 

In diesem Blogbeitrag will ich davon berichten, dass ich für 7 Monate eine Fernehe mit meinem Mann lebe. Diese Konstellation liegt daran, dass sein neuer Job und damit der Beginn der dritten Auslandsentsendung für ihn schon am 1. Januar begonnen hat und ich mit unseren drei Kindern noch bis Ende des Schuljahres hier in Deutschland bleiben wollte. 

Wir haben beide entschieden, dass ein Wechsel zum Schuljahresende für die Kinder besser ist, da es hier in Deutschland dann ein sauberer Schnitt ist und für unsere Zwillinge in Shanghai ein geordneter Schulstart in ein neues Schuljahr mit neuen Mitschülern an der British International School of Shanghai ist. Für unsere Tochter wäre es auch blöd geworden zum Januar in das Internat in Schottland zu gehen und in ein laufendes Schuljahr einzusteigen. So haben alle drei einen richtigen Start nach langen Sommerferien und kommen hoffentlich ausgeruht und mit viel Mut und Energie in ihre neue Umgebung. Zum Glück wird mein ältester Sohn seine Schwester in Schottland in Empfang nehmen. Er ist schon seit ein eineinhalb Jahren dort. 

Wie ist das Leben ohne Mann im Alltag? 

Das Neue Jahr beginnt ja immer mit vielen guten Vorsätzen, so auch bei mir. Ich habe mir einen Plan gemacht, was ich alles machen werde und vor allem wie ich es mache ohne zwei helfende Hände meines Mannes. Die ersten 3 Wochen waren fast herrlich. Ich habe weiterhin mein Sportprogramm mit unserem Fitnesstrainer fortgeführt und ich war richtig gut. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Ecke im Haus zu bearbeiten, also Ausmisten, Wegschmeißen, Verschenken, Umsortieren. Erst waren es meine Schubladen, dann mein Büro, dann der Kleiderschrank meines Mannes, die Regale im Keller und natürlich vieles mehr. Das hat auch prima funktioniert. Meine Vormittage waren länger, da ich schon mit Verabschiedung der Kinder zur Schule um 7:30 Uhr direkt “meine Zeit“ begann und auch abends wenn die Kinder im Bett waren auch wieder “ meine Zeit“ begann, wo ich nicht Rücksicht auf meinen Mann nehmen musste. Natürlich ist es schön, wenn wir abends zusammensitzen und bei einem Glas Wein so dit und dat besprechen. Aber ich habe es erstmal nicht vermisst, sondern die Zeit genossen und auch mal ausgiebig 2 Stunden mit einer Freundin telefoniert. Es war herrlich. 

Jedoch waren die anderen vielen Dinge der alltäglichen Organisation in meinen Händen und auch und im Besonderen die Umzugsorganisation und Planung. Das beginnt beim Fahrservice für die Kinder zu ihren Aktivitäten unter der Woche und besonders am Wochenende und auch der Kühlschrank, die Getränkevorräte und die Mülltonnen, die Rechnungen und der Hund, die Hausaufgaben und das Lernen heftete und heftet an mir. 

Mit der Zeit merke ich, dass es doch wirklich sehr viel ist und ich bei einigen Dingen zu einem Umdenken kommen musste. Banale Dinge wie Lebensmittel online zu bestellen oder auch die Hausaufgabenbetreuung an zwei Tagen in der Woche an einen lieben Studenten zu übergeben. 

Zu allem Organisatorischen haben wir uns noch für eine große Abschiedsparty entschieden, die ja auch irgendwie organisiert werden muss. Aber wir feiern beide gerne und haben auf so manchen Festen oder Hochzeiten das Licht hinter uns ausgemacht. Muss also sein. 

Im Kleinen wie im Großen finde ich einfach eine Fernehe doof, das habe ich nun gemerkt und ich bewundere Freunde, die dieses Modell leben. 

Wie empfinden die Kinder diese Fernehe?

Für meine Kinder ist eine Fernehe nicht einfach, denn ich kann meinen Mann nicht ersetzen. Wir haben so ein Ritual am Morgen. Mein Mann und ich stehen auf, einer von uns weckt unsere Tochter, das geht recht flott und dann gehen wir beiden zu den Zwillingen, abwechselnd zum einen und zum anderen. Wir legen uns nochmal kurz zu den Jungs ins Bett und kuscheln und stimmen uns auf den Tag ein. Das ist wichtig, vor allem einer von den Zwillingen braucht eine Portion Stärke für den Schultag. Hmm, leider kann ich mich nicht teilen und dieses Ritual fällt entweder kleiner aus oder findet gar nicht statt. Ja, ich könnte früher aufstehen und mich um beide ausreichend kümmern. Nein, es ist nicht das gleiche. So ist nun seit geraumer Zeit das Bett meines Mannes belegt, abhängig davon wer am lautesten quengelt oder wer es am nötigsten braucht. So liegt nicht nur ein Kind neben mir im Bett, sondern auch eine ganze Armada von Kuscheltieren. Auch schön. 

Im Alltag macht sich die Abwesenheit meines Mannes auch bemerkbar. Papi ist in der Ferne. Er erledigt schon mal alles dort. Er lebt die Wohnung ein und bestellt beim Schweden die ausgesuchten Möbel und lässt sie aufbauen. Die Zimmer füllen sich und die Kinder freuen sich darauf. Mein Mann schickt Fotos und versucht, uns daran Teil zu haben. Aber so ganz rund ist es dennoch nicht. Es gibt soo viele Fragen: Mami, wie genau ist die Wohnung nun denn jetzt. Wo genau stelle ich meinen Koffer hin, wir haben ja jetzt keinen Keller mehr. Gibt es in Shanghai genau die gleichen Bleistifte für die Schule zu kaufen? Das sind Fragen, um die ich mir nun wirklich keine Gedanken mache. Jedoch sind diese Fragen Sinnbild für das Ungewisse und Papi kann das zwar aus der Ferne alles erklären und beschreiben. Es reicht nicht. Fragen über Fragen. 

Die Zwillinge wurden krank – Bauchweh. Fieber. Weinen. Zweifel. Existenzsorgen. Mami zieht alle Register – Verwöhnprogramm: Druck rausnehmen, vom verpflichtenden Sportprogramm abmelden, Abendessen vor der Glotze, Extrashopping, mehr faulenzen und mal nix machen bis zu Blaumachen in der Schule, weil die Kraft fehlt und weil der Vormittag nicht mit Vertretungsstunden verplempert wird, sondern gefüllt wird mit Quality Time with Mom! Funktioniert. 

Dennoch habe ich alles mit meinem Mann besprochen, der auf mein Bauchgefühl zum Glück hört und wir gemeinsam entschieden haben, 10 Tage Expatehe in Shanghai in den Osterferien zu zelebrieren. Die Kinder können dann mit Papi im neuen Bett morgens kuscheln, für den Koffer schon mal die richtige Stelle in der Wohnung suchen und auch sich versichern, dass auch in China die Kinder Bleistifte in der Schule benutzen und sie in Geschäften zu finden sind. 

Die Zeit werden wir nutzen und noch einmal mit den Zwillingen in die neue Schule gehen und dank der fb Weltfrauen Gruppe habe ich eine Familie gefunden, dessen Kind auf die gleiche Schule geht und wir ihn dann treffen werden. Also, schon mal die Lage von Schüler zu Schüler abchecken. Und all das mit Papi und Mami zusammen machen. 

Wie ist die Fernehe für ein 14-jährige? 

Für unsere Tochter ist die Fernehe meiner Einschätzung nach nicht so schwierig. Sie ist eh sehr selbständig und macht so ihr Ding. Manchmal verkriecht sie sich in ihrer Höhle zu viel, jedoch ist sie happy dort und ich locke sie heraus, weil ich sie mehr sehen möchte und nicht, weil ich dass Gefühl habe, sie verkriecht sich. Gesichtert ist diese Annahme nicht. Aber wer kann schon gut in die Gefühlswelt von Teens schauen. Ich bin mir aber sicher, dass es ihr gut geht und sie findet das Mami-Verwöhn-Programm sicherlich auch klasse. Besonders das vermehrte Shopping findet sie sicherlich gut. Das klingt jetzt so, als wenn ich durch Materielles die bessere Stimmung der Kinder mir erkaufe, aber es ist Teil meines Programms. So bin ich und dazu stehe ich! 

Haben mein Mann und ich etwas falsch gemacht? 

Diese Frage stelle ich mir seit ein paar Tagen immer wieder, ob wir den Kindern mit der 7 monatigen Trennung einen Fehler gemacht haben und unseren Kinder zu viel zumuten. Ich habe sicherlich das ein oder andere weniger schwierig eingeschätzt, jedoch haben wir reagiert und mit Verwöhnprogramm, easy going und Ostern in Shanghai das Ruder rumgerissen. So denke ich oft an unsere zweite Auslandsentsendung vor 14 Jahren zurück. Da waren die Kinder eben noch  klein und wir mussten uns um ihre Gefühlswelt keine Sorgen machen. Unser Fokus lag auf der Organisation und wir haben uns mehr um unsere Gedankenwelt gekümmert. So kann ich sagen, dass ein Expatleben mit kleinen Kindern sicherlich einfacher ist. Ich bin Mitglied in zwei Expatforen auf fb (Expatmamas und Weltfrauen) und diese Meinung lese ich immer wieder von Müttern, die um Rat fragen, weil ihre Teenager unglücklich sind. Mir ist klar, dass wenn das Leben in Shanghai losgeht und auch das Leben für unsere Tochter in Schottland losgeht, mein Mann und ich die Zwischentöne unserer vier Kinder sehr genau erfassen müssen und sicherlich immer wieder ein Verwöhnprogramm ansteht, sei es Shopping oder eben besondere Quality Time mit der ganzen Familie. Es ist alles kein Hexenwerk, aber das Bewusstsein dafür muss eben auch vorhanden sein. 

Ich freue mich von Dir als Leser über ein Feedback oder auch Erfahrungsberichte. Die beiden fb Gruppen helfen mir sehr und ich teile auch gerne meine eigenen Erfahrungen. 


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