Kann Schreiben Therapie sein?

Neunter Blog am 15. November 2018

 Was passiert, wenn Du dich entscheidest, aus deinem gewohnten Leben auszusteigen und in das Expat-Leben einzusteigen? Ich kann klar sagen:viel! Positives und negatives läuft dir über den Weg und ich muss kanalisieren, abblocken, zulassen, eingehen, verdauen, grübeln und zu aller letzt immer wieder entscheiden. Das fällt einem Sternzeichen Zwilling nicht leicht, das gebe ich zu. Was allerdings dabei immer wieder auftaucht ist das Reflektieren. Entscheiden geht bei mir nur dann, wenn ich Dinge aufschreiben, Kreise um Worte mache, Pfeile und Anmerkungen, weitere Infos suche, kanalisiere und da aus den vielen Zetteln wieder einen mache. Der gedankliche Strich kommt und die Entscheidung fällt. Also habe ich immer Stift un Papier zur Hand. 

Das Bloggen kam mir in den Sinn, als ich vor vielen Wochen da saß und das Expatleben vor mir stand und sagte: Hey, Luise, es kommt eine spannende Zeit auf Dich zu! Heute schreibe Ich meinen neunten Blog und ich kann die Frage “Kann Schreiben Therapie sein?“ mit Ja beantworten. Es tut einfach gut, Dinge mal richtig in Worte zu fassen und das eben nicht nur in Stichworten auf meiner To-Do Liste, sondern so die Dinge und Gedanken “dazwischen“ niederzuschreiben. Das schärft bei mir das Bewusstsein für alles, was mir wichtig ist und ich gebe zu, dass beim Schreiben auch mal die Tränen fliessen gerade weil ich die Dinge mal niederschreiben und ich mir über Formulierungen Gedanken mache. Schon als Kind habe ich Tagebuch geschrieben und habe lustige Sticker dazugeklebt und auch mal den rosa Elefanten in allen Größen aus dem Heftchen ‘Zugbegleiter‘ der Deutschen Bahn ausgeschnitten. Wer kennt ihn noch, den rosa Elefanten, der immer lächelnd dich im Abteil erwartet hat? Er warb mit Spartickets und kostenlosen Tickets für Kinder. Das war super, denn ich habe 3 Schwestern, die auch mit meiner Mutter und mir im Zug in die Ferien fuhren. Da blieb dann viel Geld für einen neuen Badeanzug oder eine neue Schaufel am Strand oder Unmengen an Softeis auf der Insel Föhr übrig!

Den rosa Elefanten werde ich in einem Chinesischen Hochgeschwindigkeitszug von Shanghai nach Peking oder Shanghai nach Hongkong mit Sicherheit nicht finden, da nutze ich dann irgendeine chinesische App, bezahle mit WeChat (das chinesische WhatsApp) und klebe vielleicht dann mein Ticket in ein Buch, falls es nicht dann auch online ist – was ich vermute. 

Also, kleben mache ich weiter, ausschneiden mache ich weiter, fotografieren mache ich natürlich weiter und das Schreiben ist nun zu einem festen Bestandteil wieder geworden. Vor 17 Jahren, als ich mit meinem Mann in Italien als junges Expat-Ehepaar lebte, habe ich auch als Therapiemaßnahme einen Creative Writing Kurs bei einer Amerikanerin belegt. Das war sehr speziell, half mir über vieles hinweg.

Meine Mutter schaut heute mit Liebe auf uns herunter und würde wahrscheinlich sagen: “Didi (das ist mein Spitzname), Shanghai ist aber ganz schön weit weg, dort ist es doch hoffentlich nicht gefährlich und du musst auf deine Kinder gut aufpassen.“ Ich würde ihr antworte: Mutti, mach Dir keine Sorgen, wir schaffen das und ich schreibe Dir Briefe, wie es in Shanghai so ist und ich schicke Dir tolle Fotos.

Nächste Woche schreibe ich dann wieder oder ihr schreibt mir etwas. Ich würde mich freuen! 

Luise 

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