Loslassen und Neuorientieren – das ist Expatleben

Mein 13. Blog am 28.1.2019 

Ins Ausland zu gehen bedeutet neben dem Verlassen meiner gewohnten vier Wände auch eine Verschiebung meiner Interessen und auch meiner Priorisierung der Dinge, die ich tue, für die ich brenne und für die ich viel Zeit in den letzten Jahren  mit viel Freude aufgebracht habe. Die Verschiebungen sind signifikant. Es liegt daran, dass ich den Fokus anders setzen muss, weil die Zeit einfach für alles nicht vorhanden ist und die Kraft für alles fehlt.  

Der Sporthat durch meine lange aktive Zeit in der Golf Nationalmannschaft einen großen Stellenwert immer gehabt und ich habe meine vier Kinder in allen sportlichen Aktivitäten immer gerne und viel unterstützt und meine Wochenenden entweder auf dem Fußballplatz verbracht oder eben noch viel lieber auf den Golfplätzen in der Region, im ganzen Bundesland oder auch ganz Deutschland.  Die Wochenenden bis zu unserem Umzug nach Shanghai sind gezählt und es gibt noch soo viel zu tun. Die Familie und auch die engen Freunde haben da einen noch größeren Platz eingenommen und das Treffen von Familie und Freunden  – sei es spontan oder geplant – wird noch wichtiger als es mir eh schon ist. 

Aber auch Zeit, die ich nicht mit Nachdenken und Organisieren fülle, brauche ich umso mehr, da ich nicht die helfenden Hände meines Mannes vor Ort haben. Zeit, wo ich einfach mal gefühlt nix mache, in einem Buch blättere oder einen tollen Bildband in die Hände nehme. Ich gebe zu, dass ich diese Zeit mir in den letzten Jahren weniger gegönnt habe. Ich merke aber nun, dass ich sie echt brauche. 

Ein Gefühl von Aufgeben einer schönen Zeit macht sich in mir breit, ein bisschen Wehmut. Du kannst nicht halten, was Du nicht halten kannst und so muss Du dir im Kopf klar machen, dass auch Dinge losgelassen werden müssen. Und so ist dies bei mir und meinen Kindern mit dem Sport. Sie sind gedanklich schon so viel in Shanghai und die Köpfchen rauchen vor lauter Fragen, dass da weniger Platz und Kraft für verpflichtenden Sport ist. 

Fragen kreisen immer wieder um Shanghai, Fragen, die ich mir selber bisher nicht gestellt habe, machen ihnen Kopfzerbrechen und lassen sie teilweise nicht schlafen. So kommen sie gerne zu mir ins Bett nachts oder bombardieren mich gleich morgens früh mit Überlegungen, Zweifel und jeder Menge Fragen. 

Meine Zwillingssöhne sind ein gutes Team, sie stützen sich und sie schützen sich, sie raufen sich und zanken sich, sie sind immer füreinander da. Eben eine Zwillingsvertrautheit, die wir Normalos gar nicht nachempfinden können. So treffen sich die beiden gerne abends in einem der Betten und bereden die Dinge. Und ich bin mir sicher, es geht immer nur um Shanghai und um die Schule und um China und um das Leben dort. 

Einer meiner Zwillinge hat sich in den Kopf gesetzt, dass er am ersten Abend in China für uns in der neuen Küche kochen möchte. Das ist ihm so wichtig, dass er es immer wieder erwähnt. Klar – kein Problem, nur … was steckt dahinter? Ist es ein Ankommen wollen in der Wohnung und dies beim Kochen zelebrieren oder ein “ich möchte Normalität“, wir sind alle zusammen und kochen zusammen. Ich bin mir nicht sicher. Eine wie ich finde schöne Idee und so sehe ich mich schon alle in der Küche stehen beim Schnibbeln und Rezept lesen. 

Ich kann nun wirklich sagen, daß der Fokus ändert sich, ob du willst oder nicht,daß die Tagesplanung ändert sich, ob du willst oder nicht und daß die Gedanken ändern sich, ob du willst oder nicht! 

Ich bin total davon überzeugt, dass mit dem Tag der Rückkehr von Shanghai – vielleicht in 4 Jahren – nach Deutschland sich mein Fokus dann wieder ändert, ich lieb gewonnnes dort loslassen werde, meine Prioritäten sich verschieben und ich mich wieder ganz und gar auf meinen Golfsport freue. Der große Unterschied wird sein, dass ich dann mit Wehmut immer noch auf die Golfzeit mit den Kinder blicke, denn sie werden nicht mehr bei uns wohnen, weil sie dann schon 16, 16, 19 und 21 sind und sie irgendwo in Studium oder Ausbildung sind und die Zwillinge bestimmt in Schottland die Schulbank drücken und nicht zurück ins Deutsche Schulsystem gehen. So gilt es Erinnerungen aufrecht zu erhalten. Zum Glück habe ich so viele Fotos von den sportlichen Kindern, dass Vergessenes dann schnell wieder präsent wird beim Anschauen der Alben. 

Ändert sich bei Dir auch der Fokus, auch wenn Du nicht ins Ausland gehst? 

Eine schöne Woche! 

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