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Alles ist anders

sehenswürdigkeiten_weltweit

32. Blog am 9. November 2020

10 Monate bin ich nun nicht mehr in Shanghai. Ich habe das Leben dort plötzlich verlassen mit dem Gedanken bald wieder dort zu sein. Wir hatten uns das Jahr anders vorgestellt. Ich wollte nur kurz vor Corona in China fliehen und wenn sich alles beruhigt wieder zurück in unser Expatleben in China. Zurück in unsere Expatstadt – Shanghai. Zurück mit den Kindern in die britische Schule. Zurück zu meiner Chinesischlehrerin. Zurück in eine pulsierende Stadt. Zurück in ein Land, dass ich mit meinem Mann entdecken wollte. Zurück nach Asien, das ich nur wenig kenne. Die Reiselust war da und viele Pläne waren bereits geschmiedet.

Alles ist anders

Ich bin nun immer noch in Deutschland, mein Mann im fernen Shanghai und meine beiden jüngeren Kinder auf einer anderen Schule in Europa bei ihren Geschwistern. 18 Jahre war ich nun Schulmutter und mitreisende Expatehefrau. Zur Zeit bin ich keine mitreisende Expatehefrau und werde wohl keine Schulmutter mehr werden. Keine Schulbrote mehr machen und keine Vokabeln mehr abfragen und keine Schulbücher im Buchladen mehr bestellen. Diese Zeit ist rum. Das ist nicht so leicht zu akzeptieren. Aber Corona hat das Leben auf den Kopf gestellt. Alle müssen sich an die neue Situation gewöhnen und das Beste draus machen. Unsere Kinder profitieren von unserer Erziehung – Selbständigkeit muss erlernt werden.

Mein Mann wuppt das Arbeitsleben in China allein ohne Familie. Mal geht er seinem Arbeitsleben ohne Murren und mit viel Elan und Erfolg nach. Mal vermisst er die Familie und das schöne Beisammensein und das gemeinsame Leben im Ausland. Mal muss er mich unterstützen, mal muss ich ihm gut zureden. Es ist ein Nehmen und Geben. Das Miteinander, auch wenn 9000 km dazwischen sind, bekommt eine ganz neue Bedeutung. Höhen und Tiefen aus der Ferne erkennen und darauf reagieren. Eine Gratwanderung.

Einige Expatfamilien betreue ich. Mütter haben mich kontaktiert, da sie meinen Blog entdeckt haben. Sie haben Frage. Grundsätzliche Fragen ob eine Entsendung jetzt nach Shanghai Sinn macht. Sie haben praktische Fragen. Sie haben Bedürfnis einfach mal mit jemandem zu telefonieren, der schon in Shanghai lebt oder der schon Auslandserfahrung hatt Ich teile gerne mein Wissen und meine Gedanken und hoffe, immer ein bisschen geholfen zu haben. Ich stelle Verbindungen her zu anderen Schulmüttern, eben solche Verbindungen, die eine Relocation Agentur nicht so unbedingt hat und die eine deutsche Personalbateilung nicht aufgebaut hat. Es tut gut, wenn ich helfen kann.

Fernweh

Das Fernweh packt mich hier im Hunsrück. Ich habe entschieden, die Stellung hier in Deutschland bis zum Ende des Jahres zu halten, denn wir wissen alle nicht so genau, was uns die Pandemie plötzlich noch so alles beschert. Nah bei den Kinder zu sein steht deutlich vor einer Rückkehr nach Shanghai. So tickt das Mutterherz und die Sorge, dass es ihnen gut geht ist von hier aus gefühlt weniger intensiv als aus einer Entfernung von 9000 Kilometern. Rational nicht klar. Aber was ist schon rational in dieser Zeit.

Um der Lage mal zu entfliehen und den Gedanken Ruhe zu geben, habe ich mir ein 1000 Teile Puzzle gekauft. Eine herrliche Entspannung und ein herrliches Eintauchen in das Suchen nach dem einen kleinen Puzzlestück. Ich hätte auch die Asterix und Obelix Puzzle der Kinder nehmen können, aber dieses hat mich begeistert. Ich bin mit dem Puzzle nämlich auf Reise gegangen. Es sind 48 unterschiedliche Sehenswürdigkeiten in der Welt verstreut. Einige sind Weltkulturerbe, einige von Stararchitekten gebaut, einige verfallen. Viele von ihnen habe ich bereist. Viele habe ich schändlicherweise noch nie life gesehen. Viele werde ich sicherlich nie bereisen, weil es schlicht weg zu gefährlich ist, dorthin zu fahren. Einige kannte ich nicht und ich habe recherchiert. Es ist doch erstaunlich, was die Suchmaschinen mit 3 Stichwörtern so alles ausspucken. Und zum Glück habe ich einen schlauen Mann, der plötzlich Gefallen daran findet, mal über anderes als Job und Corona nachzudenken in seiner Quarantäne in Shanghai.

Ich grübel schon darüber, was ich von den vielen Sehenswürdigkeiten so schnell wie möglich bereisen möchte, wenn der ganze Coronaspuk endlich vorbei ist. Ist es die Oper von Sydney? Ist es der Merlion in Singapur? Ist es der Mount Rushmore in den USA? Ist es die Hagia Sofia in Istanbul? Sind es die Pyramiden von Gizeh? Oder will ich mit meiner Familie einfach nach New York und die Freihheitsstatue von der Staten Island Ferry aus bestaunen? JA, nach Freiheit ist es mir und nach einer großen Reise mit meiner Familie. Eine Reise mit meinen vier tollen Kindern, die durch Corona ein noch engeres und verlässlicheres Team geworden sind als sie vorher eh schon waren. Eine Reise mit meinem Mann, der die Familie mit aller Kraft unterstützt wo es notwendig ist – aus der Ferne, aus unserer eigentlichen Heimat, aus Shanghai.

Ich wünsche Dir als Leser, Dir als Leserin, dass Du auch auf Reise gehst mit einem kleinen Koffer in der Hand und der Lust, Neues zu entdecken. Mach einfach mal die Tür zu und lass das Jetzt zu Hause!

Tut gut!

Mein erstes Interview über das Expatleben

Interview

31. Blog am 16. Juli 2020

Zwei Monate ist nun mein letzter Blogbeitrag her. Time flies. Zu schreiben hätte ich viel, aber die Muße und die Kraft fehlt, einen schönen Beitrag zu schreiben. Vielleicht habe ich mir auch in den letzten Wochen die Zeit nicht nehmen wollen, um über meine Situation zu berichten. Es ist und bleibt eine wirklich schwierige Zeit für mich und für meine Familie.

Ein paar Fakten

Ein paar Fakten gebe ich Euch dennoch bevor ich über etwas Schönes berichte.

  • wir sind alle gesund !
  • ich bin immer noch in Deutschland
  • China hat die Grenzen immer noch geschlossen
  • mein Visum ist ungültig
  • ein Zurück ist in weite Ferne gerückt
  • mein Mann ist 9000 km von mir weg – ein Wiedersehen ungewiss
  • für unsere Söhne ist das Abenteuer Shanghai beendet – sie bleiben in Europa.
  • China wird zunehmend kompliziert.
  • Ab September bin ich allein.
  • Shanghai is calling … aber ich komme nicht hin.

Aber nun das Schöne:

Vor einigen Wochen habe ich über die WELTFRAUEN Facebook Gruppe Stephanie Cook kennengelernt. Sie ist auch eine Expatfrau und lebt mit ihrem britischen Mann und zwei Töchtern in den USA. Stephanie schreibt nicht nur über das Expatleben, sondern hat vor einiger Zeit eine Podcast Serie begonnen. Sie interviewt Expats über ihr Leben in der Ferne aber auch über das Zurückkommen in die Heimat.

Stephanie hat mich um ein Interview gebeten. Neugierig habe ich zugesagt! Das Interview lief locker flockig über Zoom und wir haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt.

Stephanie beeindruckt mich. Ich war sehr gerne ihre Interviewpartnerin und wenn die Zeit für ein Podcast nicht begrenzt wäre, würden wir sicherlich immer noch quatschen.

Hier geht es zum Podcast:

Stephanie Cook von Transcontinental Overload

Ja, es ist lang, aber Expatgeschichten sind auch nicht mal eben erzählt.

Auf ihrer Webseite www.transcontinentaloverload.com könnt ihr noch viele weitere Podcasts hören. Seit Kurzem hat sie auch eine Deutsche Ecke.

Für heute soll es das von mir sein.

Manchmal wünsche ich mir einen Reset Knopf und ich würde ihn zurückdatieren auf den 1. Februar 2020 – den Tag, an dem ich aus Thailand nach Deutschland vor dem Coronavirus geflohen bin und ich damals nicht in den kühnsten Träumen damit gerechnet habe, dass ich am 17. Juli 2020 immer noch in Deutschland hänge. Ich wäre viel lieber zurück nach Shanghai geflogen mit Mann und den Söhnen und wir würden das Expatleben in China in vollen Zügen leben und uns über den Besuch der beiden großen Kinder freuen.

Bleibt gesund!

Luise

Falls ihr meinem Blog folgen wollt dann meldet euch gleich an. Ich würde mich freuen.

Immerhin …. eine Zwischenbilanz

30. Blog am 15. Mai 2020

Im Bestseller „6 Uhr 41“ von Jean-Philipp Blondel lese ich auf Seite 94: „Immerhin. Ein Wort, das ich aus ganzem Herzen hasse.“ Danach kommen weitere Sätze, die alle mit immerhin beginnen. Die Abneigung des Protagonisten zu dem Wort und zur Mutter des Protagonisten verfestigen sich. Amüsant geschrieben.

Da kam mir in den Sinn, dass ich auch Sätze mit dem Wort „Immerhin …“ beginnen könnte. Nach einigen Tagen draußen in der Maisonne im tiefen Hunsrück und vielem Nachdenken, wie ich meinen nächsten shanghai-calling Blogbeitrag gestalten soll, war immerhin zu meinem ständigen Begleiter geworden und es ist doch erstaunlich wie viele Sätze ich mit immerhin sinnig füllen kann.

Immerhin …

Immerhin bin ich gesund. Ich stehe jeden Tag auf, trinke nach wie vor meinem Pott Kaffee im Bett, wecke gesunde Kinder und bereite ihnen das Frühstück vor.

Immerhin geht es mir gut. Ich habe keinen Grund zu klagen, auch wenn ich mittlerweile gerne wieder in Shanghai wäre, denn der Alltag ist dort überwiegend zurück.

Immerhin kann ich mich frei bewegen, da wo ich bin. Wir sind im tiefsten Hunsrück, überall Wald um uns herum, Natur pur. Was gibt es Schöneres in dieser verrückten Coronazeit?

Immerhin bin ich nicht allein, mein Mann ist da. Er hat vor Ostern den großen Wunsch geäußert, uns alle zu sehen mit der Konsequenz nach der Rückkehr in eine ungemütliche 2 wöchige, von der Regierung streng kontrollierte, Quarantäne in ein Hotel zu müssen. Eine Rückkehr ist seit Ostern nicht mehr möglich, denn die Chinesische Regierung hat die Grenzen für Ausländer geschlossen. Mittlerweile versucht die Außenhandelskammer in einer groß angelegten Aktion, deutsche Führungskräfte mit einer Lufthansa Charter Maschine zurück nach China zu holen. Ob er das Glück hat, in dem Flieger zu sitzen? Die Maschine scheint zu 300 % gebucht zu sein und das Los soll am Ende entscheiden. Wir bleibe gespannt. Wenn diese Maschine nicht klappt, dann wird wes vielleicht eine weitere geben.

Immerhin haben wir keine Existenzsorgen. Vielen Menschen geht es schlecht und ich versuche, anderen zu helfen, sei es mit einem Anruf, sei es mit einem gekauften Gutschein, sei es mit einem geschenktem Essen, sei es mit einem gefüllten Umschlag.

Immerhin sind meine Kinder bei mir und nicht mehr in Schottland. Das wäre fast schief gegangen und nur mit toller Hilfe habe ich sie in die Arme nehmen können. Sie sind nun homeschooling Schüler, wie so viele auch. Das Internat gibt sich sehr viel Mühe, den Videounterricht so interessant und gut wie möglich zu gestalten und damit auch die Motivation der Kinder, daran aktiv teilzunehmen. Bisher läuft es prima. Mit Challenges sollen die Kinder zum Beispiel Kochen, Videos drehen, Kinoplakate nachstellen und immer gibt es Punkte oder kleine Auszeichnungen. Total gut!

Immerhin komme ich zu Dingen, die ich sonst nicht mache. Ich rufe alte Freunde an, räume meinen Mac auf, habe an einer Schreibchallenge teilgenommen, erweitere mein Wissen in der Bildbearbeitung und habe am Sonntag meine vollkommen überarbeitete Fotografieseite online gestellt, samt Shop. Wer Lust hat zu schauen – hier der LINK. Für mich ein Meilenstein.

Immerhin träume ich nun von guten Geschäften und neuen Kunden. Das fühlt sich gut an.

Immerhin lerne ich, mich besser zu organisieren. Alle zu Hause bedeutet, daß der Kühlschrank gefüllt, das Essen gekocht, der Haushalt gemacht sein muss. Die schulische Unterstützung für die Kinder darf nicht zu kurz kommen, auch wenn die beiden großen dies nicht mehr brauchen. Und dazu kommt noch das Bloggen und Fotografieren. Da hilft nur ein guter Plan. Mal läuft´s, mal läuft´s nicht.

Immerhin habe ich keine email – Leichen im Eingangskörbchen mehr. Ein gutes Gefühl.

Immerhin mache ich viel Sport. Es könnte natürlich mehr sein, aber dienstags und donnerstags haben wir eine feste Verabredung mit Trainer Sven und das sind 2 Stunden Zirkeltraining und Bewegung pur. Danach tut alles weh, aber das Gefühl ist gut!

Immerhin bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Glück auch ohne Materielles funktioniert.

Immerhin kann ich zunehmend über mich lachen, habe mehr Zeit zur Reflexion.

Immerhin mache ich mich nicht mehr verrückt, wann es zurück nach Shanghai geht. Wir haben entschieden, dass die Zwillinge mit uns zurück kommen und nicht schon jetzt in eine Boarding School nach Schottland zu den großen beiden Geschwistern gehen. So bin ich noch mindestens ein Jahr Schulmutti, der Konfirmationsunterricht kann wie Anfang des Jahres geplant im September losgehen.

Immerhin habe ich noch mehr Expatfrauen online kennengelernt, die auch bloggen. Der Austausch gerade jetzt in der für alle schwierigen Zeit empfinde ich als große Bereicherung.

Immerhin hat mein Mann nach 6 Wochen meinen verloren geglaubten Reisepass mit gültigen Visum und permanenter Aufenthaltsgenehmigung in meinem Wintermantel wiedergefunden. Den Pass zu verlieren wäre der GAU überhaupt gewesen. Männer können bei lebenswichtigen Dokumenten doch besser suchen als Frauen. Danke Schatz!

Immerhin glaube ich, daß unsere Gesellschaft durch Corona wieder enger zusammenrückt und jeder, wer kann, solidarischer und hilfsbereiter den Sorgenvollen gegenüber tritt.

Immerhin habe ich lange nicht mehr so intensiv die Natur erwachen sehen wie in den letzten Wochen. Da ich seit Ende Januar bis auf 5 Tage im gleichen Bett schlafe, habe ich den Azaleen und den Rhododendren beim Wachsen zuschauen können.

Immerhin habe ich eine junge Mutter beraten, die bald mit Mann und zwei kleinen Kindern nach Shanghai entsendet wird. Sie hatte so viele Fragen und ich glaube, ich konnte ihr helfen.

Noch viel Paragraphen mehr könnte ich mit Immerhin beginnen, positive wie negative Gedanken spinnen und über die Zukunft schreiben. Diese ist so unsicher, daß ich es sein lasse. Definitiv weiß ich, dass mein kleiner Thailand Urlaubskoffer aus dem Januar Ende August zurück nach Shanghai auf die Reise geht, nicht allein, sondern mit den Zwillingen. Hoffentlich können sie sich dann gut von ihren beiden großen Geschwistern trennen, die sie dann unerwartet so lange gesehen haben und fast 5 Wochen mit ihnen auf eine Schule gegangen sind.

Wie sich die Welt sonst ändert und was auf unsere Gesellschaft zukommt, das können wir jetzt schon erahnen, ich hoffe trotzdem, dass die Prognosen dunkler sind als die Realität.

Welche Sätze könnt ihr mit Immerhin beginnen? Sind sie auch so vielfältig und bunt wie meine? Wenn ihr nicht schreibt, dann könnt ihr trotzdem sage: Immerhin hat Luise mich zum Nachdenken gebracht!

bleibt gesund!

Luise

Wie lange bleibe ich noch in Deutschland?

Alte Mühle im Hunsrück

29. Blog am 16. April 2020

Seit 10 Wochen bin ich nun in Deutschland. Ich bin dem aufkommenden Coronavirus damals mit meinem Mann und unseren Zwillingen aus dem Weg gegangen. Das sollte für 2 – 3 Wochen sein. Nun sind es 10 geworden. Ein Ende scheint nicht so richtig in Sicht zu sein.

Situation in Shanghai

Das Leben in Shanghai kommt seit 2 Wochen stetig zurück, die Geschäften und Märkte öffnen wieder, die Menschen kommen aus ihren Häusern raus. Vorsichtig lockern sich die Einschränkungen, denn es gibt im Land keine Neuinfektionen mehr. Diese kommen alle aus dem Ausland entweder von Chinesen, die endlich zurück in ihr Land wollen oder von Ausländern, die in China leben und arbeiten. Geschäftsreisende gibt es zur Zeit nicht, so dass sich die Gruppe der Einschlepper auf diese zwei Gruppen mehr oder weniger beschränkt. Dies hat zu drastischen Maßnahmen seitens der Regierung in Peking geführt. Die Grenzen wurden geschlossen. Nur noch Chinesen und Diplomaten können ins Land.

Eine Rückkehr der Ausländer an ihren Arbeitsplatz in China ist nun erstmal verhindert. Darunter leidet auch mein Mann gerade, der über Ostern einfach mal aus China raus musste, ein zwei wöchige Quarantäne in Kauf nehmen wollte, um dann wieder an seinem Arbeitsplatz sitzen zu können.

Nun ist sein Arbeitsplatz im Hunsrück im Gästezimmer. Er schaut ins Grüne, er schaut auf einen alten Pferdeschuppen und er wird mit Kaffee und Familie versorgt.

Glück

Ich habe Glück. Wir haben Glück. 2008 sind wir nach 3 Jahren Mexiko nach Deutschland zurückgekommen und mein Mann und ich wollten für uns und unsere damals noch sehr kleinen Kinder einen Ort haben, wo wir am Wochenende mal hin können. Wir fanden im Hunsrück unser Refugium und kauften es. Es sollte auch für den Fall dienen, wenn wir nochmal ins Ausland geschickt werden, dass wir in Deutschland für die Ferien eine Bleibe haben und wir nicht nur bei den Schwiegereltern auf der Bettkante sitzen oder wir uns eine Ferienwohnung mieten müssen. Wir haben gut daran getan, so intensiv zu suchen und haben eine wunderschöne alte Mühle von 1870 gefunden, die komplett abgelegen vom Dorf in einem Tal liegt und von wo aus wir auf ein Hirschgatter schauen. Die Hirsche fürchten uns nicht mehr vor uns. Natur pur.

In den letzten 10 Jahren haben wir unsere Mühle stetig umgebaut und verschönert und jede Ecke der Mühle so gestaltet, dass wir als Familie es wirklich schön haben und wir aber auch genügend Gästebetten für Family and Friends haben. Der Mühlenbachlauf plätschert. Die Kinder haben sich in den letzten Jahren immer darum gekümmert, dass er schön aussieht und gut fließt oder mal mit Staudämmen zum Halten gebracht wurde. Ein kleines schwedisches Saunahäusschen haben wir mittlerweile auch im Garten.

Mühle als Zufluchtsort

Dass ich hier einmal 10 Wochen am Stück wohnen würde und die Mühle als Zufluchtsort für mich und jetzt für die ganze Familie dient, daran hätte ich nun wirklich nie gedacht. Als ob der liebe Gott eine Eingebung hatte, dass wir tatsächlich irgendwann mal einen Ort brauchen, wo wir in Deutschland unter kommen, wenn wir gerade auf Auslandsentsendung sind und gerade die Welt Kopf steht. Unser Haus in Ingelheim haben wir aufgegeben, da ist gerade nichts zum Wohnen für nun 6 Personen.

Wir führen nun alle ein Expatleben im eigenen Land, das ist so absurd wie es sich anhört. Das alltägliche gewohnte Hab und Gut ist entweder in China oder in einem Containerlager irgendwo zwischen Mainz und Mannheim. Meine Lieblingskleidung ist in China und den kleinen Teil von Materiellem Hab und Gut, das ich zum Leben in der Ferne haben wollte, ist nun auch in China und nicht greifbar.

Was mir wichtig ist

Das Einzige, was mir wichtig war für mein Dasein hier, war mein Mac, den mein Mann mir nun nach 8 Wochen mitgebracht hat. Dazu kam noch meine Lieblingskette – ein Cylonsaphir in Gold eingefasst an einer goldenen Kette. Ich trage sie seit 19 Jahren täglich und habe sie für den Thailandurlaub in China gelassen, weil ich sie nicht verlieren wollte. Da ich von dem Thailandurlaub nicht zurück nach China flog, sondern direkt nach Deutschland, war die Kette in meinem Asienfluchtkoffer nicht dabei.

Ich habe gemerkt, dass das ganze Materielle nicht wirklich für Glück oder Unglück wichtig ist, dass es nicht entscheidet über einen emotional guten oder schlechten Tag, dass es zwar ein schönes Geschmücke ist, aber in der Krise hilft die schwarze, braune, grüne, beige, rote oder blaue Handtasche nicht.

Was hilft in der Ausnahmesituation?

Familie und Freunde – das sind diejenigen, die helfen, denen Du hilfst und mit denen Du dich austauschst. Besonders schön war dabei mein morgendliches Ritual – Kaffeepott im Bett und mit meiner Freundin in Mainz das Leben per WhatsApp ordnen, den Tag planen, mal ausheulen unser Dasein als Vierfachmütter beleuchten und in den Tag mit Projekten oder eben auch mal keinem Projekten starten.
Gerade haben wir das morgendliche Kaffeepott Ritual unterbrochen, das ist mal so, es kommt wieder.

Ich trinke nach wie vor meinen Pott Kaffee, mal mit meinem Mann im Bett, mal ohne. Mehrheitlich ohne, denn er ist gegen 7 Uhr schon häufig in Telefonkonferenzen mit China. Ich lese meine Lieblingszeitschrift, jeden Tag ein Artikel und ich ziehe das Wesentliche daraus. Meditation – ich habe eine tolle App gefunden! Umgang mit Wut – oh ja, ich kann wütend sein. Ungeduld – wie komme ich davon weg? Ich mag gerade solche Themen, Reflektion und Selbsterkenntnis. Ich ziehe aber auch kreative Ideen aus meiner Zeitschrift, das beflügelt meine Fotografie. Vielleicht kennt ja jemand die Zeitschrift FLOW. Ich bin gerade ein Fan.

Tägliche Rituale – Struktur

Es ist also ein tägliches Ritual, was in dieser Zeit der emotionalen Achterbahnfahrt hilft. Ich versuche Struktur in den Tag zubringen, das hilft. Besonders hilft mir mein Schreibkurs, den ich seit 2 Wochen mache. Jeden Tag um 10 Uhr logge ich mich in ein Live ein. Da lernen ich und bekomme Prompts – Schreibaufgaben für den nächsten. Ein Potpourri an Teilnehmerinnen, alle unterschiedlich, alle lustig und schreibbegeistert. Das macht Spaß.
Und jeden Tag um 11 Uhr logge ich mich in ein live Interview von Adobe Deutschland ein und höre erfolgreichen Kreativen zu. Manche Interviews interessieren mich brennend, manche passen nicht zu meinen Interessen. Um 12 Uhr ist dann der Input rum und ich bin erstmal gesättigt.

Die Fotografie hilft mir auch. Zum Glück hatte ich meine Leica von Anfang an bei mir. Jedoch habe ich in den ersten Wochen gar kein Zugang zum Fotografieren bekommen. Was sollte ich auch für Motive im Grau in Grau finden? Erst seit kurzer Zeit merke ich wieder, dass auch hier die Kräfte zurück kommen und ich meine www.luisegutsche.de Seite aufpeppe und mir meinen Wunsch erfülle, endlich einen kleinen Online-Shop zu eröffnen. Bald ist es soweit, ich werde berichten.

Die lieben Kinder

Für meine Zwillingssöhne waren die letzten Wochen auch nicht leicht, von der Britischen Schule und den Freuden in Shanghai getrennt zu sein, plötzlich wieder in Deutschland zu hocken und onlineschooling ohne Material machen zu müssen. Wir haben sie kurzerhand in die gleiche Schule wie die beiden Großen in Schottland schicken können. Sie haben dort einen geregelten Schulalltag mit sozialen Anschluss und viel Sport gehabt. Sie waren mehr als happy.

Mittlerweile sind die Schulen in Großbritannien auch geschlossen und heute sollte eigentlich der Summer Term beginnen. Nun beginnt hier im Hunsrück für alle Kinder der Summer Term mit Onlineschooling. Die Zwillinge werden das Schuljahr mit der Schottischen Schule beenden, anders ist es organisatorisch nicht zu meistern.

In unserer kleine Mühle sind nun Bierbänke und Gartentische verteilt, damit jeder einen eigenen Arbeitsplatz hat. Es wird sicherlich einiges an Disziplin von jedem abverlangt werden, dass in Ruhe gearbeitet werden kann, um nach erledigten Aufgaben raus zu gehen, eine Runde Fussball zu spielen oder doch noch mal Holz zu hacken.

Schulmutter und Schulpapa

Nun bin ich wieder vollkommen Schulmutter, schmeisse sie morgens aus den Federn, bekoche sie und helfe ihnen wenn möglich bei Aufgaben. Das Einzige, was ich nicht mehr vorbereiten muss sind die lästigen Butterbrotboxen für die Schule.
Sicherlich wird mein Mann auch mal Mittagessen kochen, das macht ihm Spaß und geht zwischen den Telefonaten sicherlich immer mal wieder.

Ich freue mich auf die fleissige Home Office und Home Schooling Zeit. Dann sind die Tage wieder mehr strukturiert und wir werden ein richtiges Wochenende haben mit langem Ausschlafen und ausgiebigem Brunch.

China ist fern

China scheint für mich ferner denn je zu sein und Deutschland die erste Wahl in der momentanen Corona Krise. Nicht leicht zu akzeptieren, denn ich vermisse die Möglichkeit, die Kultur und das Land mehr und mehr zu entdecken.

All denen, die in ähnlicher Situation sind mit Home Schooling wünsche ich gute Nerven und liebe Kinder, gutes WLAN und immer den Gedanken, dass es eine vorübergehende Situation ist.

Bleibt gesund! Luise

P.s.: Die alte Frida bewacht Haus und Hof

China Buch Blog – IM GARTEN VON OMA APO – Ein Kinderbuch

5. China Buch Blog am 21.März 2020


Im Garten von Oma Apo


Von
Wei Tang
Autorin und Illustratorin

Wei Tang, eine chinesische Autorin und Illustratorin wurde 1986 in Chengdu geboren. Heute lebt sie in Dalian, eine Stadt im Golf von Bahai im Norden Chinas. An der Universität von Xihua in Chengdu hat sie Animation studiert.
Im Garten von Oma Apo ist im Baobab Books Verlag erschienen. Es ist ihr erstes Buch, das sie ihrer Oma gewidmet hat.


über den Verlag

Baobab Books ist ein gemeinnütziger Verein in Basel. Es ist eine Fachstelle zur Förderung der kulturellen Vielfalt von Kinder- und Jugendliteratur. Dabei steht der Fokus des Vereins auf der Verbreitung von Kultur aus unterschiedlichen Ländern.

Ich bin vom Buchverlag gebeten worden, dieses Buch in meinem Shanghai-Calling.de Blog vorzustellen. Darüber freue ich mich sehr und danke dem Verlag.


Das Kinderbuch

Das Bilderbuch ist eine wahre Homage an die Großmutter von Wei Tang. Gerade in der jetzigen Zeit, wo Familie und das soziale Miteinander in der Coronakrise wieder mehr in den Fokus gerät, passt das Buch genau in meine Stimmung und sicher in die vieler anderer.

Oma Apo

Oma Apo ist eine alte Dame, die nur auf dem Markt geht, um Gemüsereste für ihre Hühner und Ente aufzusammeln. Die Tiere leben nicht in einem Hof, nein, sie leben auf dem Dach ihres Hauses, wo Oma Apo mit sehr viel Liebe nach ihrer Pensionierung einen wunderbaren Gemüsegarten angelegt hat. Hier liebt sie es zu sein, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen und zuzuhören. Es ist ihre Leidenschaft.

Offenherzigkeit

Oma Apo ist offenherzig und großzügig, denn Sie verteilt mit Liebe und Herz die Ernte an ihre Nachbarin Frau Wang und an den Nachbarn Herrn Zhang. Auch bedenkt sie den Pförtner Herrn Jiang.

Oma Apo teilt ihre Ernte mit den Nachbarn

Omas sind Mittelpunkt der Familie

Oma Apo hat eine große Familie, sie ist der Mittelpunkt und sie bekocht die Großfamilie und versorgt ihre Kinder und Enkelkinder mit gesundem Gemüse für zu Hause.

Zufriedenheit

Oma Apo ist mit dem was sie macht zufrieden, sie hat eine Aufgabe, auch als Rentnerin. Sie liebt ihre Arbeit und liebt die Pflanzen und die Natur und die Tiere und ihre Nachbarschaft und natürlich die Familie.

Zufrieden nach ihrem Tagwerk

Sozialkritisch

Das Leben in China läuft immer noch sehr nach diesem Schema ab. Die Alten sind für die Jungen da, aber auch die Jungen für die Alten. Auch die Nachbarschaft und das gute Miteinander steht bei den Chinesen im Vordergrund. Sicherlich ist es in den ländlichen Gebieten noch stärker ausgeprägt als in den Großstädten.

Was ich so besonders an diesem Buch finde

Die Autorin Wei Tang berichtet aus dem wahren Leben. Ich kann mich somit so richtig gut in das Handeln, in die Freude, in das Tun von Oma Apo versetzten, wie sie liebevoll ihren Gemüsegarten herrichtet, die Tiere versorgt und überlege mir, wo es wohl in der Großstadt Shanghai noch solche Oasen gibt. Ein wirklich schönes Buch.

Darüber hinaus gefallen mir die Illustrationen des Buches gut, sie sind kindlich gestaltet und die Farben sind einfach harmonisch schön.

Empfehlung

Ich kann das Kinderbuch Im Garten von Oma Apo sehr empfehlen und würde mich freuen, wenn Du als Leser den kleinen Buchverein mit dem Kauf eines Buches unterstützt.


Quelle:
Baobab Books
gebundene Ausgabe, Größe ca. 25 x 25 cm
ISBN-13: 978 – 3 – 905804 – 99 – 7
Preis: 16,50 €


Anmerkung:
Gerade jetzt, wo das Leben für so viele Menschen Kopf steht, ist Lesen eine wunderbare Möglichkeit, aus dem Hier und Jetzt zu entfliehen. Das gilt für Groß und Klein in gleichem Maße. Das Leben ist für mich seit Ende Januar aus den Fugen geraten, ich leben zur Zeit nicht in Shanghai, sondern bin mittlerweile mit meinen vier Kindern im schönen Hunsrück. alle haben keine Schule. Wir ertragen die Ausgangsbeschränkungen und die Restriktionen, die es mit sich bringen. Das Lesen tut gut!

Luise!


meine letzten Artikel:


Expatleben – Im Schatten des Coronaviruses

27. Blog am 31. Januar 2020

Eigentlich … ja eigentlich wollten ich ein etwas ruhigeres Jahr 2020 haben und mich nicht mit einem Coronavirus herumschlagen. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen in den Chinese New Year Ferien Bangkok und Kho Samui in Ruhe entdecken, danach eine Woche Ferien in Shanghai machen und mit den Jungs und deren Freunden tolle Ausflüge erleben. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich nicht um Schutzmasken und Desinfektionssprays kümmern. 
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich nicht um das schwache Immunsystem meines Sohnes sorgen und zu Boots in Bangkok rennen und hochdosiert Vitamin C und Zink hamstermässig kaufen.
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich mich um meine Fotobücher in Shanghai kümmern.
Eigentlich … ja eigentlich wollte ich nach Chinese New Year mit meiner Mandarin Lehrerin Nadia in die Kunst der chinesischen Schriftzeichen eintauchen. 
Eigentlich … ja eigentlich dachte ich, dass mein Mann in unseren 8 Tagen Urlaub mal ein bisschen zur Ruhe kommt von der vielen Arbeit und mal das Handy und den PC und das IPad zur Seite legt. 

Realität …

Der Status quo ist nun vollkommen anders. Wir sind auf einer tollen Insel in einer wunderschönen Villa und organisieren das Zurückkommen nach Deutschland.  

Kompliziert ist es insofern als daß wir nur Koffer mit Sommersachen dabei haben, was ich Aber nicht total schrecklich finde. Komplizierter ist, dass ich keinerlei Schlüssel und kein deutsches Portmonee dabei habe. Auch der Führerschein ist in Shanghai. Alles ist gut und sicher dort verstaut. 

Wer hätte denn gedacht, dass die Ereignisse um den Coronavirus sich so dermaßen überschlagen, dass wir nicht zurück nach Shanghai fliegen, sondern direkt heim? Ich nicht und mein eher risikoaverser Mann nun wirklich auch nicht. 

Krisenmanagement für 5000 Mitarbeiter und Hilfslieferungen

Ich bin einiges gewohnt und habe durch meine langen Jahre im Ausland meine Belastungsmöglichkeiten ausgetestet, aber das hier ist mal wieder eine neue Dimension. Es geht hier nämlich nicht nur um uns, um meine Gesundheit, die meiner Kinder und die meines Mannes. 

Mein Mann muss sich um die Gesundheit von 5000 Mitarbeitern in China kümmern, daß sie sicher sind dort wo sie sich befinden, daß sie aufgeklärt sind, daß die Produktion weiter geht und daß die Produkte auch ausgeliefert werden. Bei einem Pharmaunternehmen von großer Wichtigkeit, denn es geht um Medikamente und Impfstoffe für Mensch und Tier. So folge ich einer Krisenmanagement Konferenzschaltung nach der anderen. Und wenn das Telefon nicht klingelt, dann sitzt mein Mann am Pc. Ich klage nicht, denn es geht nicht um Umsatz, Profit, Strategie oder Produktlaunches! Es geht um die Mitarbeiter und um die Versorgung der Kunden mit notwendigen Medikamenten. Und es geht um die richtige Kommunikation mit dem Firmensitz. Und es geht um Hilfeleistungen in der betroffenen Region um die Millionenstadt Wuhan herum. Immerhin sind 40 Millionen Chinesen eingeschlossen, kein rein, kein raus, vom Prinzip nur Verkehr von Hilfslieferungen und Ärzten. Spenden in Form von Masken gehen auf den Weg und auch ein Hustensaft sowie Geldspenden sollen schnellstmöglich in der Region ankommen. Alles gilt zu organisieren und immer wieder Unklarheiten zu beseitigen. 

Vorbereitungen für Deutschland 

Ich in meinem eher kleineren Kreis kümmere mich darum, dass die Zwillinge versorgt sind, dass sie bei Laune gehalten werden und ich die Ankunft in Deutschland so unkompliziert wie möglich gestalte. Freunde sind hilfsbereit und so ist der Ersatzautoschlüssel schon gefunden, eine neue EC Karte beantragt und für Sonntag ist unser Kühlschrank gefüllt und die Heizung in unserem Haus im Grünen eingeschaltet. 

Dennoch werden wir uns erstmal von den Freunden fern halten, es besteht eine gewissen Unruhe, ob wir nicht doch vielleicht den Virus in uns haben und er nur noch nicht ausgebrochen ist. Wir werden die 14 Tage Inkubationszeit, die eigentlich nur für Rückkehrer aus der Krisenregion gilt, einhalten und erst in der nächsten Woche Freunde treffen, oder eben Mundschutz tragen.  Wir wollen niemanden verunsichern. Unsicherheit ist schon genug da. 

Schule der Kinder

Ich gehe gedanklich diverse Szenarien durch, was mit den Zwillingen passiert, wenn wir erst einmal nicht mehr nach China fliegen können, weil keine Fluggesellschaft mehr Städte in China anfliegen will und sie nicht dort in die Schule gehen können. Die Lufthansa hat die Flüge von und nach China gestern eingestellt und auch British Airways fliegt vorerst nicht mehr. Natürlich könnten wir über andere Länder zurück fliegen, aber gesichert ist dies nicht, denn auch andere Fluggesellschaften könnten ihren Flugbetrieb vorübergehend einstellen. 

Die Britische Schule in Shanghai wird ab dem 10.2. den Kindern online Aufgaben zuschicken, damit der Schulbetrieb ein wenig weiter geht. Stoff der 8. Klasse ist jetzt weder für mich noch für meinem Mann kritisch – da kann ich helfen und lerne vielleicht dabei noch etwas dazu. Langfristig ist dies aber sicher keine Lösung, denn was mache ich den Rest des Tages mit den Kinder? Wir sind in keinem Fussballclub mehr angemeldet, noch kann ich Musikunterricht mal eben buchen. So werden es lange Tage, an denen ich das Handy der Kinder sicher manchmal verfluchen werde und vielleicht es auch mal für ganz hilfreich sehe, wenn ich Ruhe für anderes haben möchte.

Die Grundfrage, die sich aber für mich und sicher für viele andere Expatfamilien, die mittlerweile in Deutschland mit oder ohne Kinder sind, stellt ist folgende: 

Will ich überhaupt so schnell nach China zurück, wenn die Schule am 18.2. wieder losgehen sollte und die Lage immer noch nicht überschaubar ist? Tue ich das mir und meinen Kindern an?  Was ist dann mit der Schulpflicht? Ob die alte Deutsche Schule die beiden so einfach für eine gewisse Zeit aufnimmt? Wollen das die Jungs? Oder schicke ich sie zur Schule der Geschwister in Schottland, wo sie zumindest die Lerninhalte des Britischen Schulsystems mehr oder weniger unterrichtet bekommen könnten? 

entscheidend: das Bauchgefühl

Unke ich nun zu sehr rum? Ich denke, jeder muss auf sein Bauchgefühl hören, Pflicht und Notwendigkeit abwägen, Konsequenzen und Alternativen. Sicher ist, dass einer meiner Söhne schon immer ein angeschlagenes Immunsystem hat und ich ihn in keinster Weise in irgendeine noch so kleine Gefahr bringen will. Dies ist sicher für alle, ob Mutter oder Frau, ob Vater oder Mann, nachvollziehbar. 

Es geht immer wieder um Safety First und um eine Entscheidung, die nicht nur wir als Eltern für richtig empfinden und unseren Kinder so auch vermitteln, sondern auch um das Wohlbefinden der Großeltern und Geschwister meines Mannes und von mir. Sorge haben um jemanden ist kein guter Begleiter im Leben. 

Es kommt die Zeit, in der wir zurückblicken und hoffentlich sagen können: Schatz, wir haben alles richtig gemacht! Und das wünsche ich allen anderen Expatfamilien auch, die irgendwo in China sind oder in die Heimat geflogen sind.

Bleibt gesund! 

Luise 

P.S.:

Einige Informationsquellen, die ich als seriös erachte und die ich täglich nach Updates aufrufen: 

Frankfurter Allgemeine Zeitung: www.faz.net
Süddeutsche Zeitung www.sueddeutsche.de
Weltgesundheitsorganisation www.who.int
Deutsche Botschaft Peking, China (https://china.diplo.de)

Nützlich und auch erledigt: 
Elektronische Registrierung von Deutschen im Ausland https://elefand.diplo.de

Chinesen feiern ihr Neujahrsfest

26. Blog am 23. Januar 2019

Letzte Woche hatte ich wieder Mandarin Unterricht bei Nadia. Wahrscheinlich hätte ich mit einer anderen, weniger lustigen und fröhlichen Lehrerin schon aufgegeben, Chinesisch zu lernen. Ich müsste fleissig sein und wie in alten Zeiten mit Vokabelkarten da sitzen und ein Wort nach dem anderen in mein Hirn bekommen. Dazu fehlt leider ein bisschen die Motivation und die Lust. Aber dank Nadia mache ich es ein bisschen, doch meine Lernerfolge bleiben vorerst klein. Jedoch ist es keine verschwendete Zeit und auch kein verpulvertes Geld, denn Nadia erzählt mir viel über ihr Land, die Kultur und Bräuche und über das tägliche Leben. Sie hilft mir bei Onlinebestellungen und zeigt mir immer wieder neue APPs, die zum Überleben hier wichtig sind. Bei den APPs komme ich dann sehr schnell an meine Grenzen, denn die wichtigen Shopping APPs sind natürlich mit chinesischen Schriftzeichen. Also merke ich, dass ich das Lernen nicht komplett aufgeben sollte. Nach Chinese New Year beginne ich, die chinesische Schrift zu lernen. Bisher lerne ich Chinesisch mit dem PinYin Schriftbild, die offizielle Romanisierung des Hochchinesisch. Ich bekomme dann ein Malbuch und kann stundenlang die Schriftzeichen nachmalen und lernen. Ein bisschen wie in der ersten Klasse, wo ich die ersten Buchstaben in Schreibschrift Zeile um Zeile nachmalen sollte und das alles ganz schön anstrengend war.

Shanghai ist in diesen Tagen schon leergefegt, die meisten Märkte haben schon geschlossen und auch die Onlineportale können nichts mehr ausliefern, denn alle Boten sind schon in Ferienstimmung und arbeiten nicht mehr. Die heiligste Woche in China beginnt. 1,4 Milliarden Chinesen werden am Freitag das chinesische Neujahrsfest starten lassen. Das ist ähnlich wie bei uns der heiligen Abend. Die Familien treffen sich und alle feiern zusammen. Am 25. Januar beginnt dann für die Chinesen das Neujahr. Dieser Tag des Neujahrsfestes ändert sich immer wieder, da er nach dem Mondkalender berechnet wird und nicht wie bei uns der Neujahr immer am 1.1. eines Jahres ist. In 2021 ist das Neujahrsfest beispielsweise am 12. Februar.

Der chinesische Zodiac

Der chinesischen Mondkalender bewegt sich in einem zwölf Jahres Rythmus, Mittelpunkt ist ein Zodiac, ein Tierkreiszeichen, das 12 unterschiedliche Tier beinhaltet. Es sind: Ratte, Ochse, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und Schwein. Jedem Jahr ist einen Tier aus dem Tierkreiszeichen zugeordnet, alle 12 Jahre beginnt der Zyklus von neuem. In diesem Jahr endet der Zyklus mit dem Schwein und ein neuer Zyklus mit dem Jahr der Ratte beginnt. Die Ratte wird in China auch gerne als Maus dargestellt, so dass es immer wieder zu Konfusionen kommt. Ich spreche hier mal weiter über die Maus, denn auf den Plakaten,Grußkarten und auf den unzähligen Dekorationen ähnelt das Tier mehr einer Maus als einer Ratte.

Was beginnt im Jahr 2020?

Das neue Jahr wird für die Chinesen das Jahr der Maus. Überliefert ist, dass die Maus viel Weisheit besitzt, geistetesgegenwärtig, einfallsreich und vielseitig ist. Überliefert ist auch, dass die weibliche Maus hübsch, klug, liebenswürdig ist und einen schnellen Verstand gepaart mit begabten Händen hat.

Ich rechne nun einmal …. wenn 2020 das Jahr der Maus ist, so waren es auch die Jahre 2008, 1996, 1984 und natürlich auch das Jahr 1972. Ich bin ein 72er Kind und einige der oben aufgeführten Attribute stimmen durchaus mit meinem Charakter überein, andere weniger. Wer mich persönlich kennt, der darf sich jetzt einmal Gedanken über mich machen, die anderen glauben einfach alles was da steht! Danke schon einmal!

2020 ist mein Jahr!

Meine Lehrerin Nadia hat nun voller Begeisterung mit mir herausgefunden, dass das kommenden Jahr „mein“ Jahr ist. Dazu gibt es nun Einiges für mich zu beachten. Die Tradition sagt, dass ich mich am Neujahrstag komplett in Rot kleiden sollte, von der Unterwäsche bis zur Mütze. Dies soll den Mitmenschen zeigen, dass das Jahr der Maus mein Jahr ist. Besonders die rote Unterwäsche sollte vom Ehepartner oder zumindest von jemandem aus der Familie gekauft werden. Der gute Wille war da, die Realisierung gescheitert, obwohl wir uns viel Mühe gegeben haben. Da wir auf Reisen sind, werde ich im Geiste mich rot kleiden und mir bewusst machen, dass nun mein Jahr beginnt.

Traditionen

Es gibt viel Traditionen die um den Neujahrstag gelten. Nach altem Brauch, soll man Türen und Fenster öffen, damit das Glück ins Haus kommt kann. Währenddessen sollte ein Licht brennen, damit das Glück auch den Weg zu Dir finden und damit die bösen Geister vom hellen Licht abgeschreckt werden und sich Dir nicht nähern. Außerdem sollte die gute Hausfrau den Boden am Neujahrstag nicht kehren, damit sie das Glück nicht wieder aus dem Haus pfegt. Und es soll süsses Essen geben, um das neue Jahr zu süßen. Auch sollen neue Hausschuhe im alten Jahr gekauft werden, um diese dann am Neujahrstag zu tragen, damit altes Gerede und Gerüchte unter den alten Schuhen kleben bleiben und du unbeschwert ins neue Jahr laufen kannst.
Wie auch in Deutschland wird zum Neujahrsfest die Wohnung geschmückt. Da sind rote Lampions, wie wir sie aus den Chinarestaurants in Deutschland kennen. Es werden rote Papierbänder aufgehängt, auf denen mit schwarzer Schrift allerlei gute Wünsche draufgemalt werden. Diese werden dann um einen Türrahmen gehangen. Dabei ist die Farbe Rot das Wichtigste. Rot steht für Glück, Freude und Wohlstand.
Jede Region und jede Familie hat so ihre Traditionen, jedoch ist das Zusammensein in der Familie am Abend vor dem Neujahr sehr wichtig. Geschenke werden wenig überreicht, dafür rote Umschläge mit goldenen Schriftzeichen, sogenannte hóngbāo, die auch wieder gute Wünsche beinhalten wie Glück, Freude und Wohlstand. Im Umschlag ist Geld. Die Beträge sind meist beträchtlich.
Auch der Neujahrstag ist heilig und so werden die Verwandten und engen Freunde besucht und weitere rote Umschläge verteilt.

Grußformeln

Viele Chinesen hier in Shanghai wünschen uns mit „Happy Chinese New Year“ alles Gute. Die eigentliche Grußformel lautet allerdings auf Mandarin: xīn nián kuàilè. Das ist übersetzt „Frohes und glückliches neues Jahr“. Aber auch gōnghè xīnxi, übersetzt „Glückwunsch für neues Glück und Segen im neuen Jahr“ hören wir viel. Im Büro hört mein Mann auch gōngxi fācái, das mit „Glückwunsch für Erfolg und Wohlstand“ übersetzt wird. All dies sagen sie aus tiefster Seele und Überzeugung.

Feuerwerk

Leider ist das Zünden von Feuerwerk von höchster Stelle in den meisten Städten untersagt. Das ist für die Chinesen, die das Feuerwerkeln erfunden haben, ein herber Schlag. Aber jeder wird sich daran halten, denn ein Verstoß könnte wahrscheinlich eine ordentliche Strafe nach sich ziehen.

xīn nián kuàilè

Versucht es einmal auszusprechen und euch zu merken und auch morgen noch zu wissen. Dann seid ihr gut! Ich verlasse nun erstmal für eine Woche mit der Familie das Land des Smogs und des Coronaviruses, entdecke eine neue Großstadt in Asien und teste ein wunderschönes Hotel am Meer.

Luise

Das Umzugsjahr ist rum – BE ALWAYS HAPPY!

25. Blog am 9. Januar 2019

Liebe Shanghai-Calling Blog Fans und alle anderen, die es werden wollen!

Ein wellenreiches Jahr ist hinter mir und ich habe lange nicht mehr so viel über mich und über das Leben und über Freundschaft und über Heimat gelernt.

Ich hoffe sehr, daß ihr alle gut ins neue Jahr gekommen seid und mit Elan an das neue Jahr herangeht – ob mit oder ohne gute Vorsätze, ob mit oder ohne Änderungswünschen, ob mit oder ohne Hüftspeck nach den Feiertagen oder einfach gut erholt und mit vielen guten Gedanken.

Weihnachtspost

Auch aus Shanghai habe ich meine Tradition fortgeführt und für Familie, Freunde und Bekannte eine Weihnachtskarte gestaltet. Ds Titelbild des Blogs zeigt in abgeänderter Form das Weihnachtsfoto. Anders war, dass ich zum ersten mal einen Text gedruckt habe und wir damit vermeidet haben, unzählige Male das gleiche zu schreiben, da ja alle wissen möchten, wie es uns geht.

Der Text war folgender:

Shanghai ist seit 6 Monaten unser zu Hause. Heimat ist Deutschland und wird es immer bleiben. China ist wirklich riesig und Shanghai eine pulsierende, vielfältige Weltstadt. Wir sind eingetaucht in das Shanghaier Leben mit den unzähligen kleinen, lokalen Geschäften und den schillernden Luxusgeschäften, mit emsigen, einfachen Händlern und großen Limousinen, Luxus und spartanischem leben. Wir sind mitten drin und staunen über die Bandbreite der Lebenswege. Wir lernen die Welt neu kennen, erweitern täglich unseren Horizont, lernen eine neue Sprache und versuchen die Kultur zu ergründen. Wir tauchen ein in die Sitten, gebräuche und Gepflogenheiten Whinas. Wir sind im Alltag endlich angekommen und doch ist kein Tag wie der letzte. Die großen und kleinen Geschwister vermissen sich gegenseitig und wir natürlich die Großen, die sehr selbständig ihren weg in Schottland gehen. Große Bewunderung. Den Zwillingen gefällt die Britische Schule und sie sind wieder fröhliche Schüler. Freunde sind gefunden und die Nachmittage mit vielen Aktivitäten gefüllt. Happy kids – happy parents. Wir vermissen die Heimat und doch würden wir den Sprung nach China immer wieder machen. Wir vermissen die Freunde und wissen, dass wir sie alle früher oder später wiedersehen. China feiert kein Weihnachten, der Kommerz drum rum jedoch allgegenwärtig. Weihnachten anders. So feiern wir in Tansania den heiligen Abend, um das turbulente Jahr auch komplett anders zu beenden. 

Auf ganz unterschiedliche Passagen sind die Empfänger eingegangen, das war schön. Alle gemeinsam zeigen sie Bewunderung für das was wir als Familie tun. Dafür bin ich unendlich dankbar und das gibt Kraft. Geäusserte Bewunderung trifft der Mensch ja nicht so häufig an, da die meisten sich doch in ihrem Hamsterrad bewegen und die Zeit für solch vermeintlich Banales oftmals fehlt. Schade, oder nicht?

Ich blicke in ein neues Jahrzehnt. Das letzte war geprägt von 5 Jahren Ausland und vier Geburten unsere Kinder, von Elternglück und Erziehung, von Kindergarten und Schule, von beruflicher Veränderung und Selbständigkeit und von wenig Selbstbestimmung. Letztere habe ich gerne abgegeben habe.
Das Neue Jahrzehnt wird definitiv anders sein und ich freue mich auf mehr Selbstbestimmung, da die intensive Kinderbetreuung ein Ende hat. Meine berufliche Selbständigkeit ruht in Shanghai, jedoch sind die Wege so vielfältig, dass sie nur zu ergründen sind und Neues zu planen oder in anderer Form weiter zu führen. Meine Leidenschaft der Fotografie werde ich wieder einen höheren Stellenwert zuordnen und sicherlich mehr Zeit zum Schreiben finden. Und dies alles im Rahmen vom Expatdasein in einem anderen Land und einer anderen Kultur.

BE ALWAYS HAPPY

Auf unserer Tansania Reise über Weihnachten habe ich eine Hotelmanagerin kennengelernt. Sie hat mich mit ihrer Freundlichkeit und mit ihrer Art beeindruckt. Beim Abschied nach nur einer Nacht in ihrem Paradies gab sie mir mit auf den Weg: „Mrs. Gutsche, don´t forget: Be always happy!“ Dies hat sie aus tiefster Seele mit einer unglaublichen Überzeugung gesagt. Ich werde diesen Moment wohl erstmal nicht vergessen! Dieses Motto nehmen ich nun für das neue Jahrzehnt mit. Habt ihr auch ein Motto? Dann lasst es mich wissen.

Shanghai ruft – China ruft

Shanghai-calling – meine Liste für die ersten kulturellen Walks stehen auf meiner Liste und Shanghai rüstet sich für Chinese New Year, das am 24. Januar gefeiert wird. Das neue Jahr nach dem Mondkalender beginnt für die Chinesen am 25.Januar. Danach wird eine Woche gefeiert und 1,4 Milliarden Chinesen reisen durch ihr Land. Es beginnt das Jahr der Ratte. Mehr dazu in einem nächsten Blog.

Lasst es Euch gut gehen und … Don´t forget: Be always happy!

Luise


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Hier meine letzten Blogbeiträge:


China Buch Blog – Schakale in Shanghai

3. China Buch Blog am 9.12.2019

Schakale in Shanghai
Genre: Krimi

von Qui Xialong

Über den Autor: Der in Shanghai geborene Übersetzer, Lyriker und Literaturkritiker Qui Xialong lebt seit 1988 in den USA. Die Vorfälle am Tiananmen Platz 1989 veranlassten ihn, nicht nach China zurück zu kehren. Er lehrt in St. Louis Chinesische Sprache und Literatur. Seine Romanfigur Oberinspektor Chen hat er bereits in 9 Romanen ermitteln lassen, der 10. Krimi erscheint im Februar 2020.

Erschienen: DTV Verlag, ISBN: 9783423217064, Original: Shanghai Redemption

Qui Xialong hat ähnlich wie Donna Leon mit ihrem Commissario Brunetti Oberinspektor Chen gestaltet, der die Kriminalfälle von Shanghais Straßen aufklären will.

Schakale in Shanghai ist das 8. Buch über den so sympathischen Oberinspektor Chen, der in diesem Fall um sein eigenes Leben bangen muss. Er wird seines Postens enthoben und angeblich befördert. Dies kann er nicht ganz glauben und vermutet, dass er Dinge nicht bearbeiten soll und auch keine Morde an vermeintlich ordentlichen Bürger aufklären soll. Dabei gerät er immer mehr in Schwierigkeiten und nur seine treuen Freunde versuchen, über ihre dunkeln Kanäle in dem Sumpf von Korruption, Misstrauen und ständiger Suche nach Vorteilsaneignung an irgendwelche nützlichen Informationen heranzukommen. Dabei begeben sie sich selbst in Gefahr. Puzzlestück um Puzzlestück setzt Chen zusammen und denkt am Ende das große Ding dann auf.

Für mich beginnt das Buch mit vielen unterschiedlichen Erzählsträngen, viele Namen fallen und Du bist verwirrt, ob es jetzt nun Chen oder Shen ist. Zum Ende wird es richtig spannend, da Wendungen sich ergeben, an die ich kleine Detektivin gar nicht gedacht habe.

Das Buch spielt in Shanghai und viele Namen, Straßenzüge und auch Orte sind mir geläufig. Ich beginne, im meinem Stadtpan zu stöbern, wo jetzt genau die U-Bahnstation in Pudong liegt. Pudong ist der Stadtteil, wo all die beeindruckenden Wolkenkratzer sich befindet.

Teile des Buches spielen in Suzhou, eine Stadt nicht weit von Shanghai entfernt. Dies ermutigt mich, doch bald endlich mal in diese wunderschöne Stadt zu fahren. Bekannt für Suzhou ist die Suzhou Oper und diese pittoreske Stadt.

Das Buch lädt auch ein, mehr über China und ihre Kultur zu ergründen, sei es das Leben der Ernai, das sind die Zweitfrauen, die sich der ein oder andere Chinese gönnt oder aber auch über den Neokonfizianismus zu lesen. Der Leser lernt, was ein Qipao ist und liest Gedichte aus der Chinesischen Tang-Dynastie oder der Qing-Dynastie. Ich lerne, dass am Quingming alle Angehörigen zu den Gräber der Verstorbenen fahren und einen Tag am Grab verbringen. Das ist ähnlich wie der Kult um den Dios de los Muertos in Mexiko. Bei und in Deutschland ist es Allerheiligen. Ich lerne das Tausendjährige Ei kennen.

Es gibt noch viele viele weitere Stellen im Buch, wo der Leser mehr eintauchen kann ich die Chinesische Kultur. Ich mag so etwas sehr.

Politisch ist dieses Buch natürlich auch. Wir Leser bekommen einen Eindruck davon wie Korruption, Hierarchie und Macht in China ausgespielt ohne Rücksicht auf menschliche Schicksale. Es scheint sehr realitätsnah zu sein, doch so recht glauben mag man es nicht. Ein Fünkchen Wahrheit steckt in jedem Buch.

Fazit

Ich kann das Buch für China, Shanghai und Krimi Begeisterte nur empfehlen, ein Krimi macht das Mächtespiel zwischen korrupten Kadern und geheimen Geschäften spannend und ein geschichtlicher Hintergrund lässt in dem ein oder anderen Buch nachschlagen oder ich befrage das Internet. Lesenswert.

Wer noch mehr China und Shanghai Literatur sucht, der kann hier den Link zum ersten und zweiten China Buch Blog anklicken.

1. China Buch Blog: Gebrauchsanweisung für China

2. China Buch Blog: Kochbuch – Shanghai Straßenküche von Julia Dattel und Nicole Keller

4 Monate als Expat in einem neuen Land – eine Zusammenfassung

24. Blog am 30. November 2019

Seit 30. Juli bin ich nun zum dritten mal Expatfrau und Expatmutter. Das sind schon vier Monate und die Zeit scheint wie im Flug vergangen zu sein. Fragen schwirren durch den Kopf. Das bleibt nicht aus und so versuche ich dies mal aufs Papier zu bringen. Das hilft ungemein, seinen eigenen Status Quo mal zu formulieren.

Shanghai ist eine besondere Stadt und ich habe mich mit der 26 Millionen Megacity angefreundet. Die Stadt ist groß und die Entfernungen riesig. Der Tag muss gut geplant sein, sonst kann es sein, dass ich im Verkehr stecken bleibe und viel Zeit im Auto verplempere. Die Restaurantwelt ist bunt und vielfältig. Durch Kulturwalks lerne ich die besonderen Ecken der Stadt kennen und die Kunst- und Kulturwelt ist unbegrenzt. Gerade habe ich eine tolle Ausstellung im Shanghai Center of Photography vom deutschen Fotografen Martin Schoeller besucht, eine Inspiration.

Hier kann ich meinen Interessen gut nachkommen, meiner eigentlichen Arbeit nicht. Fotografisch bietet die Stadt viel, jedoch mit einem richtig guten Fotoprojekt konnte ich noch nicht starten. Das kommt noch – im neuen Jahr. Ich bin froh, das Schreiben für mich wiederentdeckt zu haben.

Ankommen ist nicht leicht

Nach 4 Monaten kann ich sagen, dass ich noch nicht richtig angekommen bin, ich gebe mir Mühe. Aus Erfahrung weiß ich, das es Zeit braucht, ich gebe mir noch weitere 6 Monate, dann schaue ich mal wieder nach den Status Quo. Der Alltag wird immer leichter, jedoch bin ich immer noch auf der Suche nach guter Milch und leckerer Joghurt. Die Marmelade und Schokolade wird im Koffer importiert. Der Kühlschrank füllt sich dank Epermarket, ein Onlinesupermarkt für Expats, recht schnell. Die Preise sind gepfeffert, ein Liter Milch kann bis zu 5 € kosten!

Der gute Drahtesel …

Ich versuche so viel wie möglich mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Der Weg zum Mandarin Kurs kenne ich mittlerweile auswendig und die kreuzenden Straßen habe ich bald drauf. Die kleinen Wege ‚um und bei‘ sind auch vertraut, jedoch sind neue Adresse manchmal einfach nicht zu finden, da die Straßen mit so vielen Stichstraßen so lang sind und ich das System mit Hausnummern noch nicht ganz verstanden habe! Zum Glück haben wir einen Fahrer, der mich dann zu den Orten bringt. Viele sind auch einfach zu weit weg, um mal eben mit dem Fahrrad dort hin zu fahren.

Der eiskalte Expatpool

Nach 4 Monaten ist mir wieder bewusst, dass ein Herausbrechen aus der schönen Compfortzone Heimat anstrengend ist, wenn Du alles Gewohnte und alles alltägliche hinter dir lässt und in den eiskalten Expatpool geschmissen wirst. Zum Glück haben wir schon zwei mal das Expatleben in Italien und Mexiko gestartet und mir war klar, was auf mich zukommt. Hier ist es auch eine Chance, aus dem Gewohnten und Alltäglich mal herauszubrechen und alles zu hinterfragen. Auch nicht schlecht!

Wohnen im 36. Stock

Unsere Wohnung befindet sich im 36. Stock. Es ist wie Kino, es gibt immer was zu glotzen und die Stadt von oben zu sehen. Wir haben mit dem Schweden die Wohnung ganz schön eingerichtet, erstmal eine guten Grundausstattung. Mit dieser sind wir nach wie vor happy, eine zweite Verschönerungsrunde kommt nach Weihnachten, dann werde ich sicher schöne Teppiche und Chinesische Möbel mit den Schweden mischen. So langsam kenne ich tolle Geschäfte, wo ich dies tun kann dank dem Schwarmwissen so vieler internationaler Chatgruppen, zu denen ich schnell eingeladen wurde. Gemütlich ist sie dennoch, gemütlicher kann sie werden.

Kinder first

Als Mutter habe ich meine Wünsche erstmal hinten angestellt. Wichtiger sind die Kinder, die ja ohne ein Mitspracherecht nach Shanghai mitgegangen sind. Die Wahl der Britischen Schule war für uns die Beste, dennoch bucht man die ‚Katze im Sack‘. Eine Gratwanderung. Nach vier Monaten sind unsere Zwillinge zufriedene Schüler, die gerne in die Schule früh morgens gehen. Sie haben gute Noten und es scheint, dass das Englisch sprechen ihnen keine großen Schwierigkeiten mehr bereitet. Sozialen Anschluss haben beide auch gefunden, ein Segen. Beider Freunde habe ich gern um mich herum und ich versuche, sie so häufig wie möglich zu uns einzuladen und dann gibt es Pfannekuchenschlacht und deutsche Bratwürstchen.

Heimat – Familie – Freunde

Wer seine Heimat liebt, vermisst sie nach einer Zeit. Ja, ich vermisse den Hunsrücker Wald, die Ingelheimer Weinberge, meinen Hund, das Schnitzel, die Fleischwurst, die Haribo Lakritzschnecken und eine richtig gute Apfelsaftschorle.
Und -Ja- ich vermisse die engen Freunde und die Familie, die zwar auch nicht vor Ort in Ingelheim leben, aber ich konnte sie immer anrufen wenn ich das Bedürfnis hatte und ich konnte zu ihnen fahren. Das geht von Shanghai mit einer anderen Zeitzone und 8000 km Entfernung nicht. Im Ausland wird das Bewusstsein dafür sensibilisiert, wie wichtig im Leben die Familie und die Freunde sind.

Mandarin – ein noch gespaltenes Verhältnis

Ich habe durch unsere Auslandsjahre bereits Italienisch und Spanisch gelernt, das hat eigentlich gut geklappt und ich habe mich nach 4 Monaten einigermassen verständigen können. Mit Mandarin verhält es sich anders. Ich habe den Zugang zur Sprache noch nicht gefunden und ich bin weit weg davon, im Café ohne Schwierigkeiten, etwas zu bestellen. Es ist ein großer Zeitaufwand, die Aussprache zu können und die Vokabeln zu bimsen. Dazu bin ich noch nicht bereit und so darf ich mich auch nicht wundern, dass es trotz einfacher Grammatik bisher kümmerlich ist. Kann es auch am fortgeschrittenen Alter liegen?!? Darüber denke ich jetzt mal nicht weiter nach …
Aber, dank meiner Lehrerin Nadia gebe ich nicht auf!

Kulinarik und Gemütlichkeit

Die Restaurantwelt ist in Shanghai riesig groß, ein Eldorado fast. Wir haben zwei wahnsinnig gute Franzosen entdeckt, einen tollen Italiener um die Ecke und den besten Mexikaner ausserhalb Mexikos. Das chinesische Essen ist nicht so unbedingt unser Ding, aber auch hier gibt es viele gute, aber es ist nicht immer unsere erste Wahl beim Ausgehen mit den Kindern. Das Ändert sich vielleicht auch mit der Zeit.
Nach ein paar Wochen habe ich ein Lieblingsplatz ausserhalb der Wohnung gefunden. Bei unserem Bäcker Baker & Spice in der Anfu Lu habe ich einen großen Refektoriumstisch entdeckt. Links und rechts sind lange Sitzbänke. Daran sitzen mehrheitlich Expats und arbeiten, im Hintergrund immer nette Musik und ein emsiges Treiben. Hier kann ich wunderbar für ein paar Stunden sitzen und schreiben, lesen und über ein erstes Fotoprojekt nachdenken. Hier komme ich besser zur Ruhe als im Apartment, wo doch immer Ablenkung droht!

Expat-Loch nach 4 Monaten?

Carolin Billiter von Culture2go.art hat in ihrem letzten Blogbeitrag über das Expatloch geschrieben, das nach 3 Monaten und auch nach 7 Monaten auftreten kann. Bin ich nun in einem Expatloch? Nein, ich bin es nicht. Ich würde es anders beschreiben. Nach 3-4 Monaten stellt sich eine Vertrautheit zu Land und Leuten ein. Die erste Zeit des Erschöpftseins und des intensiven Lernens ist vorüber. Endlich! Jetzt beginnt die Zeit, die Dinge auf ‚Seite zwei‘ anzupacken und noch ein bisschen mehr aus der Compfortzone zu kommen.

Ehe im Ausland

Ich habe in einem meiner ersten Blogbeiträgen über die Ehemodelle geschrieben.
Die Expatehe ist eine besondere Ehe und sie ist ein fragiles Stück. Ehe im Ausland ist ein Hören von Zwischentönen und ein gemeinsamens Ziehen an einem dicken, rutschigen Tau. Beim Abrutschen muss mein Mann mich auffangen. Er hat mehr Kraft, das Tau zu greifen, manchmal kommt er vom Kompass ab, weil er in die falsche Richtig steuert. Da springe ich mit Leidenschaft herbei und entfalte Supermom Kräfte. So sind wir ein Team, wir gleichen uns aus, sorgen uns umeinander. Es klappt gut. Selbstverständlich ist dies alles nicht!

All in all …

Ja, ich würde immer wieder ins Ausland mit meinem Mann gehen gehen, das Leben in der Ferne ist kein Leichtes, ich habe nur zwei von vier Kindern um mich, mein Leben ist anders, ein Golfplatz weit weg, Kunden weit weg, aber ich bin vollkommen davon überzeugt, wenn wir unser eingeschlagenen Weg so bedächtig weitergehen, dann werden wir ein Leben lang von dieser Zeit zehren und unsere Kinder werden zu Weltkindern, die sich mit den Kulturen der Welt anfreunden und dennoch immer wieder gerne nach Ingelheim kommen, wo sie ihre Kindheit verbracht haben.

Einen schönen ersten Advent Euch allen in allen Teilen der Welt und in der Heimat.

Luise