Kategorie: Familie

Wie Kinder auf eine Auslandsentsendung reagieren

17. Blog am 21.3.2019

Meine Familie und ich leben ein ziemlich schönes Leben in Ingelheim. Die Stadt ist klein, überschaubar und vieles ist mit dem Fahrrad zu erreichen. Zugegeben die Stadt ist in weiten Teilen nicht schön, sie ist verschlafen und die Anzahl an netten Restaurants ist wirklich überschaubar. Jedoch liegt sie im schönen Rheinhessen und der Weg in die Weinberge ist nicht lang. Ingelheim liegt am Rhein zwischen Mainz und Bingen und es ist herrlich, am Rhein mit dem Hund spazieren zu gehen, dabei den großen Frachtern zuzuschauen, die entweder gegen die Stömung ankämpfen oder mit der Welle gen Nordsee flott an mit vorbeiziehen und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Für unsere 4 Kinder ist die Stadt prima, zur Grundschule sind alle mit dem Fahrrad gefahren und zum Gymnasium lohnt es sich nicht, die Fahrräder aus der Garage zu holen, denn es ist ein Katzensprung und per Pedes ist es einfach viel schneller. Zur Musikschule lohnt nur der Roller. Nur der Weg zu unserem idyllischen Golfplatz mitten in Rheinhessen ist eigentlich nur mit dem Auto flott erreichbar. Hier sind wir alle viel und gerne und meine Kinder, besonders die älteren beiden, haben den Weg in die Spitzenförderung des Landes eingeschlagen wie ich einst als ich ein Teenie war.

11 Jahre Schulmutter – du erlebst viel

Die Schule gefällt Kindern mal mehr mal weniger, mal sind die Lehrer doof, ungerecht oder haben langweilige Themen auf dem Programm. Auch können die Mitschüler und Freunde mal doof, gemein oder unzuverlässig, nervig neugierig oder pubertär sein. Alle Facetten habe ich als Mutter in meinen bisher 11 Jahren als Schulmutter erlebt. Die Kinder haben ihre Stärken und Schwächen und unsere Kinder sind schulisch alle unterschiedlich. Ich merke klar, dass Du mit schulisch guten und sehr guten Kinder so durch die Schule schwimmst und alles ist gut. Ich merke aber auch, was es heisst, Kinder unterstützen zu müssen, die um gutes Mitkommen in der Schule jeden Tag kämpfen müssen und von Selbstzweifeln geplagt sind. Da sind Lehrer, die darauf sehr dosiert und gut eingehen und da bin ich dankbar. Aber es gibt auch die sogenannten Stinkstiefel, die das Leben der Kinder schwer machen, weil sie nicht auf die Kinder eingehen wollen oder ein extra ausgearbeiteter Test nur Arbeit verursacht. Schade, dies zu beobachten am größten Gymnasium in Rheinland-Pfalz. Als Eltern sind dir die Hände gebunden, denn bis zum Schultor kannst du sie behüten, dann müssen sie allein kämpfen. Aber wir haben gelernt zu kämpfen und das macht die Kinder nur stark fürs Leben, das immer wieder von spitzen Ellbogen geprägt ist.

Wenn ich das so alles schreibe, dann bemerke ich, dass vieles schön ist für unsere Kinder aber auch nicht immer rund läuft. Da sind wir allerdings kein Einzelfall, das ist in jeder Familie in irgendeiner Form der Fall.

Alles ändert sich mit meinem ja zum Ausland 3.0

Nun steht eine erneute Auslandsentsendung meines Mannes an und dieses mal müssen wir eine Teenie Tochter und und zwei zwölfjährige umtopfen. Der älteste ist seit mehr als einem Jahr umgetopft und glücklich in Schottland in einer tollen Schule.

Das behutsame Vorbereiten, dass es sein könnte, dass Papi einen Job im Ausland bekommt , haben wir längst hinter uns, jedoch war es gut, dies so behutsam zu machen, denn uns war nicht klar, wie die Kinder auf einen Schulwechel, Ortswechsel, Landwechsel und Kontinentwechel reagieren. Rückblickend hat das gut funktioniert und nun sind wir mitten drin. Mein Mann schon seit Januar im Job und ich ziehe mit den Kindern bald hinterher. Die Fragen waren vielschichtig, was das alles zu bedeuten hat und wie das alles geht und welche Schule es sein soll und was die Freunde sagen. Ich bin bisher nur mit Kleinkindern ins Ausland gezogen und das war ein Leichtes.

In keinem Buch steht, wie Kinder auf eine Auslandsentsendung reagieren

Es ist schwierig für Kinder, denn es ist eine Achterbahnfahrt, die von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt geht. Dies aufzufangen, bedarf viel Kraft und viel Zeit und bedarf besonderer Maßnahmen. Damit meine ich eine Wohlfühlathmosphäre zu schaffen, die geprägt ist von immer leckerem Kinderessen, abends auch gerne vor der Glotze und immer, wirklich immer Zeit haben für die vielen Fragen. Ich bemühe mich, jede noch so für mich kleine Frage so zu beantworten, dass die Jungs damit etwas anfangen können. Für unsere Tochter ist das alles weniger problematisch, da sie sowieso nach der 9. Klasse ins Ausland gehen wollte wie ihr Bruder. Sie wird nicht mit uns nach Shanghai ziehen, sondern ihren Weg in Schottland machen. Der Halt durch ihren Bruder ist da, jedoch sind mein Mann und ich 9000 km entfernt, das kann schon mal eine Gefühl von Unwohlsein verursachen. Ob ich mit 14 Jaren, dies gemacht hätte? Ich bin mir nicht sicher. Meine Eltern haben ihre 4 Töchter immer zur Selbständigkeit erzogen, aber als Nesthäkchen war ich schon ein wenig verhätschelt. Wir haben unseren Kindern die Selbständikgkeit als hohes Gut immer wieder in unsere Erziehung einfliessen lassen. Hoffentlich macht es sich jetzt in dieser Extremsituation bezahlt.

Mit 11, fast 12 Jahren, ist die Selbständigkeit noch nicht so ausgeprägt, so dass mein Fokus sehr auf dem Zwillingen liegt. Ja, sie haben mit Bauchschmerzen reagiert, immer wieder sind sie vorzeitig aus der Schule nach Hause gekommen. Mir war nach einer Weile klar, dass es keine Magenverstimmung und auch kein Magen-Darm Virus war. Der Umzug, der Wandel ist ihnen einfach auf dem Magen geschlagen. Die Kinder waren träge, haben nachmittags viel geschlafen und die üblichen Aktivitäten waren alle lästig. Musikunterricht, Sport, Landesvater. So habe ich konsequent den Rotstift angesetzt und Druck rausgenommen. Vor allem den schulischen Druck habe ich gelöscht. Dieser sollte eigentlich nicht mehr von so großer Bedeutung sein, da wir die Schule verlassen und kein Kämpfen um Verbleib in der Schule oder nicht auf dem Programm stand. Aber wer kann schon in Kinder schauen. Die Schwierigkeiten lagen mit Sicherheit auch daran, daß mein Mann schon in Shanghai arbeitet und wir eine Fernehe führen und der geplante Abflug nach Shanghai erst 7 Monate später für mich und die Kinder sein sollte. Diese Zeitspanne ist zu lang. Das kann ich jetzt klar feststellen. Das nochmalige vor Ort sein ist elementar, also die neue Wohnung wirklich schon mal sehen und den Kühlschrank anfassen und auf das neue Bett springen, die Kuscheltiere persönlich hinbringen und den Aufzug in den 36. Stock testen, den Pförtner kennenlernen und mit Neo, dem Familienchauffeur, quatschen, den Weg in die Schule mal abfahren und am besten die Schuluniform zeitig kaufen, abklären, ob es auch HB Bleistifte in China gibt und einen Ort finden, wo der Koffer abgestellt werden kann, da wir nun keinen Keller mehr haben. Uff, aber alles sehr wichtig in den Augen von Kindern.

Über die meisten Dinge mache ich mir keine Gedanken. Ich habe da gar keine Zeit für und finde es auch nicht wichtig. Aber den Kindern ist es wichtig! Aus diesem Grund fliegen wir Ostern mit den Kindern nach Shanghai, dann wir alles haptisch, visuell und Papi muss nicht mehr so viele Fotos schicken.

Ich habe über diverse Fb Gruppen Kontakt zu Shanghai Expatmüttern gefunden. Das ist so wichtig und ich bin richtig happy. Annett hat ihren Sohn auch an der BISS – British International School of Shanghai – und wir treffen uns an Ostern. Sie hat mich bereits in eine Eltern WeChat Gruppe aufgenommen und mir einiges über die schule aus Elternsicht erzählt. Das habe ich gleich an die Jungs weitergegeben. Auf dem Flug nach Shanghai treffe ich eine andere Mutter, die viele Jahre an der Deutschen Schule in Shanghai Lehrerin war und die liebend gerne sofort zurück nach Shanghai gehen würde und von der ich bereits jetzt viel Tips bekommen habe und auf dem Flug sicher noch mehr Tips bekommen werde. Danke im Voraus!

Hilfe gibt es auch von der Schule – unglaublich!

So merke ich immer wieder, dass ein Netzwerk von großer Bedeutung ist und nicht nur mir eine Sicherheit gibt, sondern besonders den Kindern. Der Schule in Shanghai habe ich auch geschrieben, dass meine Jungs sich schwer tun und Gillian hat wunderbar reagiert und Hilfe angeboten. So gibts da schon einen Buddy und wir können noch einmal zur Schule kommen und Lehrer treffen. Es ist eben wichtig zu verbalisieren, dass Hilfe benötigt wird und mir ist es noch nie passiert, dass Du keine Hilfe erfährst. Es liegt nicht in der Natur des Menschen, sich schwach zu geben, Sunshine ist besser. Das Thema ist aktueller denn je. Da schliesse ich mich ein. Jedoch bei einem Komplettwandel des Lebensmittelpunktes bist Du einfach auf Hilfe angewiesen. Das kann ich jedem neuen Expatpaar, jeder neuen Expatfamilie an die Hand geben.

Alle Lachen wieder

Das tiefe Tal ist durchschritten, die Kinder lachen wieder, die Zweifel verflogen, das Setup verändert und dass besondere Situationen besondere Massnahmen erfordern ist klar und da muss man auch mal 2 Tage blau machen und Mamizeit am Vormittag geniessen ohne den Bruder und die Schwester. Mich hat es viele unruhige Nächte bereitet und viel Telefonate mit meinem Mann, immer wieder reflektieren, was muss anders sein, was kann besser sein und wie ist die Fröhlichkeit zurück zu bekommen. Meine grauen Haare sieht keiner – habe eine gute Friseurin, die ich jetzt schon vermissen werde, wenn ich in Shanghai bin, aber das nur am Rande!

Ich freu mich über Kommentare und über Erfahrungsaustausch, ist ja nicht alltäglich, daß du in die Ferne ziehst.

Luise

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In meinem letzten Blogbeitrag mit dem Titel „Mit der Ehe musst du als Expatehepaar vorsichtig umgehen“ habe ich  4 Typen von Ehen vorgestellt. Darin haben ich gesagt, dass eine Fernehe für mich überhaupt nicht in Frage kommt. Und dabei bleibe ich auch. 

In diesem Blogbeitrag will ich davon berichten, dass ich für 7 Monate eine Fernehe mit meinem Mann lebe. Diese Konstellation liegt daran, dass sein neuer Job und damit der Beginn der dritten Auslandsentsendung für ihn schon am 1. Januar begonnen hat und ich mit unseren drei Kindern noch bis Ende des Schuljahres hier in Deutschland bleiben wollte. 

Wir haben beide entschieden, dass ein Wechsel zum Schuljahresende für die Kinder besser ist, da es hier in Deutschland dann ein sauberer Schnitt ist und für unsere Zwillinge in Shanghai ein geordneter Schulstart in ein neues Schuljahr mit neuen Mitschülern an der British International School of Shanghai ist. Für unsere Tochter wäre es auch blöd geworden zum Januar in das Internat in Schottland zu gehen und in ein laufendes Schuljahr einzusteigen. So haben alle drei einen richtigen Start nach langen Sommerferien und kommen hoffentlich ausgeruht und mit viel Mut und Energie in ihre neue Umgebung. Zum Glück wird mein ältester Sohn seine Schwester in Schottland in Empfang nehmen. Er ist schon seit ein eineinhalb Jahren dort. 

Wie ist das Leben ohne Mann im Alltag? 

Das Neue Jahr beginnt ja immer mit vielen guten Vorsätzen, so auch bei mir. Ich habe mir einen Plan gemacht, was ich alles machen werde und vor allem wie ich es mache ohne zwei helfende Hände meines Mannes. Die ersten 3 Wochen waren fast herrlich. Ich habe weiterhin mein Sportprogramm mit unserem Fitnesstrainer fortgeführt und ich war richtig gut. Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Ecke im Haus zu bearbeiten, also Ausmisten, Wegschmeißen, Verschenken, Umsortieren. Erst waren es meine Schubladen, dann mein Büro, dann der Kleiderschrank meines Mannes, die Regale im Keller und natürlich vieles mehr. Das hat auch prima funktioniert. Meine Vormittage waren länger, da ich schon mit Verabschiedung der Kinder zur Schule um 7:30 Uhr direkt “meine Zeit“ begann und auch abends wenn die Kinder im Bett waren auch wieder “ meine Zeit“ begann, wo ich nicht Rücksicht auf meinen Mann nehmen musste. Natürlich ist es schön, wenn wir abends zusammensitzen und bei einem Glas Wein so dit und dat besprechen. Aber ich habe es erstmal nicht vermisst, sondern die Zeit genossen und auch mal ausgiebig 2 Stunden mit einer Freundin telefoniert. Es war herrlich. 

Jedoch waren die anderen vielen Dinge der alltäglichen Organisation in meinen Händen und auch und im Besonderen die Umzugsorganisation und Planung. Das beginnt beim Fahrservice für die Kinder zu ihren Aktivitäten unter der Woche und besonders am Wochenende und auch der Kühlschrank, die Getränkevorräte und die Mülltonnen, die Rechnungen und der Hund, die Hausaufgaben und das Lernen heftete und heftet an mir. 

Mit der Zeit merke ich, dass es doch wirklich sehr viel ist und ich bei einigen Dingen zu einem Umdenken kommen musste. Banale Dinge wie Lebensmittel online zu bestellen oder auch die Hausaufgabenbetreuung an zwei Tagen in der Woche an einen lieben Studenten zu übergeben. 

Zu allem Organisatorischen haben wir uns noch für eine große Abschiedsparty entschieden, die ja auch irgendwie organisiert werden muss. Aber wir feiern beide gerne und haben auf so manchen Festen oder Hochzeiten das Licht hinter uns ausgemacht. Muss also sein. 

Im Kleinen wie im Großen finde ich einfach eine Fernehe doof, das habe ich nun gemerkt und ich bewundere Freunde, die dieses Modell leben. 

Wie empfinden die Kinder diese Fernehe?

Für meine Kinder ist eine Fernehe nicht einfach, denn ich kann meinen Mann nicht ersetzen. Wir haben so ein Ritual am Morgen. Mein Mann und ich stehen auf, einer von uns weckt unsere Tochter, das geht recht flott und dann gehen wir beiden zu den Zwillingen, abwechselnd zum einen und zum anderen. Wir legen uns nochmal kurz zu den Jungs ins Bett und kuscheln und stimmen uns auf den Tag ein. Das ist wichtig, vor allem einer von den Zwillingen braucht eine Portion Stärke für den Schultag. Hmm, leider kann ich mich nicht teilen und dieses Ritual fällt entweder kleiner aus oder findet gar nicht statt. Ja, ich könnte früher aufstehen und mich um beide ausreichend kümmern. Nein, es ist nicht das gleiche. So ist nun seit geraumer Zeit das Bett meines Mannes belegt, abhängig davon wer am lautesten quengelt oder wer es am nötigsten braucht. So liegt nicht nur ein Kind neben mir im Bett, sondern auch eine ganze Armada von Kuscheltieren. Auch schön. 

Im Alltag macht sich die Abwesenheit meines Mannes auch bemerkbar. Papi ist in der Ferne. Er erledigt schon mal alles dort. Er lebt die Wohnung ein und bestellt beim Schweden die ausgesuchten Möbel und lässt sie aufbauen. Die Zimmer füllen sich und die Kinder freuen sich darauf. Mein Mann schickt Fotos und versucht, uns daran Teil zu haben. Aber so ganz rund ist es dennoch nicht. Es gibt soo viele Fragen: Mami, wie genau ist die Wohnung nun denn jetzt. Wo genau stelle ich meinen Koffer hin, wir haben ja jetzt keinen Keller mehr. Gibt es in Shanghai genau die gleichen Bleistifte für die Schule zu kaufen? Das sind Fragen, um die ich mir nun wirklich keine Gedanken mache. Jedoch sind diese Fragen Sinnbild für das Ungewisse und Papi kann das zwar aus der Ferne alles erklären und beschreiben. Es reicht nicht. Fragen über Fragen. 

Die Zwillinge wurden krank – Bauchweh. Fieber. Weinen. Zweifel. Existenzsorgen. Mami zieht alle Register – Verwöhnprogramm: Druck rausnehmen, vom verpflichtenden Sportprogramm abmelden, Abendessen vor der Glotze, Extrashopping, mehr faulenzen und mal nix machen bis zu Blaumachen in der Schule, weil die Kraft fehlt und weil der Vormittag nicht mit Vertretungsstunden verplempert wird, sondern gefüllt wird mit Quality Time with Mom! Funktioniert. 

Dennoch habe ich alles mit meinem Mann besprochen, der auf mein Bauchgefühl zum Glück hört und wir gemeinsam entschieden haben, 10 Tage Expatehe in Shanghai in den Osterferien zu zelebrieren. Die Kinder können dann mit Papi im neuen Bett morgens kuscheln, für den Koffer schon mal die richtige Stelle in der Wohnung suchen und auch sich versichern, dass auch in China die Kinder Bleistifte in der Schule benutzen und sie in Geschäften zu finden sind. 

Die Zeit werden wir nutzen und noch einmal mit den Zwillingen in die neue Schule gehen und dank der fb Weltfrauen Gruppe habe ich eine Familie gefunden, dessen Kind auf die gleiche Schule geht und wir ihn dann treffen werden. Also, schon mal die Lage von Schüler zu Schüler abchecken. Und all das mit Papi und Mami zusammen machen. 

Wie ist die Fernehe für ein 14-jährige? 

Für unsere Tochter ist die Fernehe meiner Einschätzung nach nicht so schwierig. Sie ist eh sehr selbständig und macht so ihr Ding. Manchmal verkriecht sie sich in ihrer Höhle zu viel, jedoch ist sie happy dort und ich locke sie heraus, weil ich sie mehr sehen möchte und nicht, weil ich dass Gefühl habe, sie verkriecht sich. Gesichtert ist diese Annahme nicht. Aber wer kann schon gut in die Gefühlswelt von Teens schauen. Ich bin mir aber sicher, dass es ihr gut geht und sie findet das Mami-Verwöhn-Programm sicherlich auch klasse. Besonders das vermehrte Shopping findet sie sicherlich gut. Das klingt jetzt so, als wenn ich durch Materielles die bessere Stimmung der Kinder mir erkaufe, aber es ist Teil meines Programms. So bin ich und dazu stehe ich! 

Haben mein Mann und ich etwas falsch gemacht? 

Diese Frage stelle ich mir seit ein paar Tagen immer wieder, ob wir den Kindern mit der 7 monatigen Trennung einen Fehler gemacht haben und unseren Kinder zu viel zumuten. Ich habe sicherlich das ein oder andere weniger schwierig eingeschätzt, jedoch haben wir reagiert und mit Verwöhnprogramm, easy going und Ostern in Shanghai das Ruder rumgerissen. So denke ich oft an unsere zweite Auslandsentsendung vor 14 Jahren zurück. Da waren die Kinder eben noch  klein und wir mussten uns um ihre Gefühlswelt keine Sorgen machen. Unser Fokus lag auf der Organisation und wir haben uns mehr um unsere Gedankenwelt gekümmert. So kann ich sagen, dass ein Expatleben mit kleinen Kindern sicherlich einfacher ist. Ich bin Mitglied in zwei Expatforen auf fb (Expatmamas und Weltfrauen) und diese Meinung lese ich immer wieder von Müttern, die um Rat fragen, weil ihre Teenager unglücklich sind. Mir ist klar, dass wenn das Leben in Shanghai losgeht und auch das Leben für unsere Tochter in Schottland losgeht, mein Mann und ich die Zwischentöne unserer vier Kinder sehr genau erfassen müssen und sicherlich immer wieder ein Verwöhnprogramm ansteht, sei es Shopping oder eben besondere Quality Time mit der ganzen Familie. Es ist alles kein Hexenwerk, aber das Bewusstsein dafür muss eben auch vorhanden sein. 

Ich freue mich von Dir als Leser über ein Feedback oder auch Erfahrungsberichte. Die beiden fb Gruppen helfen mir sehr und ich teile auch gerne meine eigenen Erfahrungen. 


Die Übergangszeit vom Status Quo ins Expatleben ist gar nicht so einfach

Mein 14. Blog am 4.Februar 2019 

Die Mailandzeit

 Der Start in unser erstes Expatleben vor 20 Jahren gestaltete sich rückblickend als sehr einfach. Das Angebot kam, mein Mann und ich überlegten als junges Ehepaar ohne Kinder, ob wir das Abenteuer Bella Italia machen wollen. Die Entscheidung war einfach. Mailand, die Stadt der Mode, der tollen Restaurants, dem weltberühmten Teatro della Scala und dem “Bella Vita“ lockten uns sehr und wir sahen die Chance, unser Leben abseits der Eltern und Schwiegereltern selbst zu gestalten. Diese Chance ergriffen wir. Ohne Kinder haben wir unsere Zweisamkeit in vollen Zügen genossen. Am Ende des Monats war kein Geld mehr da, wir nagten immer mal am Ersparten, waren aber mit wenig auch zufrieden und freuten uns umso mehr auf den nächsten Restaurantbesuch in der ersten Woche des neuen Monats. Wir hatten kein umfangreiches Eigentum, keine vielschichtigen Verpflichtungen, sondern genossen das Leben. Wir kauften ein BMW Cabriolet und flitzen wie selbstverständlich an den Wochenenden an die Riviera oder in die Berge. Es war einfach nur schön. Diese Jahre als Expats mit Kontakten zu vielen anderen Expats hat uns geprägt. Ich war in der Professional-Women-Association of Milan und traf viele andere Expatfrauen. Hier traf ich Julie, meine Gynäkologin, die meine Schwangerschaft begleitete, hier traf ich Wendy, die mir Kleider aus toskanischer Wildseide schneiderte und hier traf ich die Texanerin Debbie, die einen Schotten in einer verwunschenen toskanischen Burg heiratete und viele andere interessante Frauen aus allen Herren Länder. Hier bekam ich Kontakte und plötzlich war ich auch in der italienischen Arbeitswelt verankert – als Relocation Agentin. Die Jahre vergingen, wir wurden Eltern und 2003 endete die Expatzeit. 

Die Mexikozeit

Zwei Jahre in der Heimat waren schön. Mein Mann bekam verrückte Angebote für entlegene Länder, unter anderem Argentinien. Das sollte dann nichts werden und plötzlich stand Mexiko City auf dem Plan. Viel wusste ich nicht über das Land, das gebe ich zu. Auch hier kam das Angebot, wir überlegten als Eltern von einem 2 jährigen Autoverrückten Blondschopf und einer 5 Monate alten zuckersüßen Tochter, ob wir dieses Abenteuer auf uns nehmen. Ja! Expatleben 2.0! Ein Abenteuer, eine Herausforderung mit zwei kleinen Kindern. Ein bisschen Erfahrung brachten wir ja mit und eine tolle Relocation Agentur half uns bei allen Unwägbarkeiten. Beim Look and See Trip entdeckten wir diese pulsierende Stadt mit den bunten Märkten, mit dem tollen Essen, mit der Kulturgeschichte und mit Diego Rivera und Frida Kahlo. Die Eingewöhnungszeit gestaltete sich als unkompliziert. Die Kinder waren noch so klein, dass die Kinder glücklich machen zu müssen nicht auf dem Programm stand, sondern eher wie mein Mann und ich das Beste für uns zusammenbauen konnten. Wir tauchten ein in das mexikanische Leben und waren schnell Mitglied im Deutschen Sportclub und die Kinder, dann 3 und 1 Jahr, kamen in eine Krippe und in den Deutschen Kindergarten. In der evangelischen Gemeinde lernten wir flott andere Familien kennen und über die Deutsche Botschaft und das German Center weitere. Wir landeten sanft, denn meine beste Freundin hatte eine Freundin, die dort schon länger lebte und uns so herzlich empfangen hat, dass ich überwältigt und gerührt war. Es entstand eine tolle Freundschaft. 

Auch hier war der ganze Prozess des Umziehens und des Einlebens recht leicht auch wenn ich immer mal wieder meine Zweifel bekam und ich einfach nur nach Hause wollte. Mexiko haben wir in unser Herz geschlossen. Hier sind unsere Zwillinge auf die Welt gekommen. Die Jahre vergingen und plötzlich ging es zurück in die Heimat pünktlich zur Einschulung vom ältesten Sohn. 

Die Chinazeit – sie kommt in großen Schritten auf uns zu

Ich habe immer gesagt, dass 8 Jahre als Familie für eine Firma im Ausland zu leben einfach genug ist und ich in meiner Heimat alt werden möchte und hier ohne weitere Unterbrechungen mein Leben gestalten, formen und geniessen möchte. Diese Rechnung ist nicht ganz aufgegangen, auch wenn ich mich vor ungefähr 2 Jahren einmal erfolgreich gewehrt habe. Im März letzten Jahres kam mein Mann dann wieder mit der Info nach Hause, dass seine Firma ihn für eine Auslandsentsendung in Betracht zieht. Mein Mann dachte, die Antwort von mir zu kennen, wollte trotzdem aber nochmal nachfragen, um ein definitives nein zu hören, um dann seinem Arbeitgeber eine Absage mitzuteilen, denn wir machen alles zusammen und Option Fernehe gibt es bei uns nicht. Jedoch erwischte er mich am rechten Tag zum rechten Zeitpunkt. Ich hatte meine Meinung geändert. Warum? Irgendwie hat sich seit der ersten Absage so viel in der engen und erweiterten Familie verändert, dass ich selber vielleicht nach einer Veränderung im Unterbewusstsein Ausschau gehalten hatte. 

Nun stecken wir mitten in den Vorbereitungen für einen erneuten Umzug, diesmal ins ferne Asien, das gemietete Haus geben wir auf, eine große Wohnung haben wir gekauft, die jedoch erst in der Entstehung ist, unser Wochenendhaus braucht eine Betreuung, unser Hund braucht eine neue Bleibe, denn er ist zu alt. Nach 10 Jahren in Deutschland mit vier Kindern hat sich eine Menge Hab und Gut angesammelt, dies muss dezimiert werden.

Unser ältester Sohn ist bereits im Internat in Schottland und bleibt dort, unsere Tochter zieht es auch dort hin und unsere Zwillinge kommen mit uns nach Shanghai. Das Gefüge bricht irgendwie auseinander. Es ist merklich komplizierter geworden, denn mein Mann und ich klären feinfühlig, was für unsre Kinder das Beste ist. Wir haben gemeinsam entschieden, aber für jedes Kind ist klar, dass immer Änderungen möglich sind, sei es für die Zwillinge eine deutsche Schule oder für unsere Tochter doch Shanghai. 

Die To-Do Listen sind merklich länger geworden im Vergleich zu unserem Start in das erste Expatleben in Italien, vor 20 Jahren hatten wir auch noch keine 4 Kinder und noch kein Haus, noch kein umfangreiches Hab und Gut, keinen Hund und noch nicht einen Berg an Akten, die stetig auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. 

Es ist spannend und aufregend zugleich, anstrengend und fordernd und in diesem Gefüge darf natürlich auch die Ehe nicht darunter leiden, dass wir nur noch organisatorische Gespräche führen. 

Ich gehe nach dem Prinzip Step-by-Step. 10 Dinge kannst Du nicht gleichzeitig erledigen oder anschubsen. Ein bis zwei am Tag und die dann aber richtig. Mir hilft da ungemein ein Wochenplan zu erstellen, so ein bisschen Bullet Journal. Das macht auch noch Spaß. Am Ende der Woche schaue ich dann, was erledigt ist, was ich nicht geschafft haben und was ich wann weiterführen muss.  Und immer wieder treffen ich bewusst Freunde und suche Auszeiten. Das Schöne ist, es macht die Übergangszeit bis zum Abflug bunt und herzlich, erinnerungsreich und immer wieder bereichernd. 

Bis nächste Woche! 

Loslassen und Neuorientieren – das ist Expatleben

Mein 13. Blog am 28.1.2019 

Ins Ausland zu gehen bedeutet neben dem Verlassen meiner gewohnten vier Wände auch eine Verschiebung meiner Interessen und auch meiner Priorisierung der Dinge, die ich tue, für die ich brenne und für die ich viel Zeit in den letzten Jahren  mit viel Freude aufgebracht habe. Die Verschiebungen sind signifikant. Es liegt daran, dass ich den Fokus anders setzen muss, weil die Zeit einfach für alles nicht vorhanden ist und die Kraft für alles fehlt.  

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Achter Blog am 8. November 2018

Die Zeit rennt dahin und das gemeinsame Leben mit meinem Mann in Ingelheim endet in 8 Wochen. Am 7. Januar geht es für ihn nach Shanghai, der neue Arbeitsvertrag ist unterschrieben. Unser Weg ist nun definitiv klar. Drei bis vier Jahre werden wir in Shanghai leben und zum dritten mal in das Expat-Leben eintauchen. Im Januar wird mein Mann noch Fünfzig, eine Zahl, wo der ein oder andere in eine Midlifecrisis geht und sich endlich den ersehnten Porsche oder die ersehnte Uhr oder anderes Materielles kaufen muss, weil es halt so ist. Meiner hat da gar keine Zeit zu, denn er kümmert sich um viel Wichtigeres. Er kümmert sich um seine Familie und um das Wohl aller. Dies macht er mit einer Hingabe und Intensität, wo ich nicht hinterherkomme und ich mich frage, woher er diese Kraft nimmt. Alle vier Kinder sollen ja irgendwie mit der neuen Situation glücklich sein und sich wohl fühlen mit den Entscheidungen, die wir mit ihnen für sie treffen.

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